Elegantes Draufgängertum

Mit seinem Quartett Woodoism beweist der Posaunist Florian Weiss, dass man auch ohne Harmonieinstrumente in Harmonie musizieren kann.

Ein Eindruck des Konzerts im Mehrspur Club in Zürich vom 25. Mai 2016.

Ein Eindruck des Konzerts im Mehrspur Club in Zürich vom 25. Mai 2016. Bild: zvg

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Es war Gerry Mulligan, der zu Beginn der 1950er-Jahre die erste Jazz-Combo ohne Harmonieinstrument ins Leben rief (mit dem Mulligan Quartet begann der Aufstieg des Trompeters und Sängers Chet Baker). Ein paar Jahre später taten es ihm Sonny Rollins (Trio) und dann Ornette Coleman (Quartett) gleich. Seither sind Jazz-Combos ohne Harmonieinstrument keine Seltenheit mehr.

Der Posaunist Florian Weiss, der in Bern bei Bernhard Bamert und in Luzern bei Nils Wogram studierte, hat ein ausgeprägtes Faible für kleine Gruppen ohne Harmonieinstrument – und tritt in dieser Hinsicht in die Fussstapfen seiner Lehrer: Bamert ist Mitglied im waghalsigen Trio Tré, Wogram leitet mit dem Quartett Root 70 eine der aufregendsten Bands des Gegenwartsjazz. Weiss wirkt im Trio La Môme mit, das durch einen Klarinettisten und einen Schlagzeuger vervollständigt wird: Diese Gruppe verwandelt Chansons aus dem Repertoire von Edith Piaf (z. B. «La vie en rose», «Milord» oder «Non, je ne regrette rien») auf entzückende Weise in kammermusikalische Jazz-Preziosen.

In seinem Quartett Woodoism verzichtet Weiss ebenfalls auf die Dienste eines Harmonikers: Die Instrumentierung mit Posaune, Altsaxofon, Bass und Schlagzeug ist identisch mit derjenigen von Wograms Root 70. In seinen Stücken achtet Weiss auf eine ausgewogene Balance zwischen Komplexität und Eingängigkeit, zwischen Draufgängertum und Eleganz – da treffen zum Beispiel quasi-kontrapunktische Bläserlinien auf zugleich vertrackte und mitreissende Grooves. Dabei beweist das Quartett, dass man auch ohne Harmonieinstrument durchaus in Harmonie musizieren kann.

Vidmarhallen Do, 4. Mai, 20.30 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 04.05.2017, 07:15 Uhr

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