Dröhnende Dramen

Ein Altmeister der Elektromusik und eine sinnraubende Sirene besuchen die Dampfzentrale.

Coil Backstage bei einem Auftritt in New York Anfang der 2000er Jahre.

Coil Backstage bei einem Auftritt in New York Anfang der 2000er Jahre.

(Bild: zvg/brainwashed.com)

Ane Hebeisen

Es war ein Album, das die Musikwelt ins Taumeln bringen sollte: «Horse Rotorvator» von Coil aus dem Jahr 1986. Alles war da vereint, Avantgarde, Industrial, New Wave, eine Leonard-Cohen-Ballade, Geräuschhaftes, Free Jazz, Streicherorchester, Marschmusik, finsterster Soundtrack-Muzak. Und alles war dermassen sorgfältig zusammenmontiert, dass diese ganze dustere Melange eine musikalische Logik aufwies. Wenn sich bis heute Bands wie Nine Inch Nails oder Marilyn Manson auf die britische Gruppe Coil berufen, dann ganz besonders wegen dieses Meisterwerks der modernen Popmusik.

Zuvor hatte die Band mit einer niederschmetternden Slow-Motion-Version von Soft Cells «Tainted Love» für Aufruhr gesorgt. Das dazugehörige Video, in welchem Marc Almond als Toten­engel durch die Handlung schleicht, wurde von den Fernsehanstalten mit einem Bann belegt, schaffte es indes in die Sammlung des Museum of Modern Art in New York. Apropos Todesengel: Der hat die beiden Kernmitglieder von Coil, Peter Christopherson und John Balance, längst ins Jenseits geleitet. Einer der letzten Überlebenden des Projekts ist Drew McDowall, der die Spätphase der Band prägte, in welcher das tonale Experiment ins Zentrum rückte und doch so einlullend-schöne Alben wie «Music to Play in the Dark» entstanden. Auf seinem neuesten Album «The Third Helix» versucht McDowall die DNA der Halluzination zu entschlüsseln, was – es war zu vermuten – reichlich hypnotisch klingt.

Den ersten Teil des Abends bestreitet mit Eartheater eine Klangkünstlerin, die ihr Tun als «hyper, glitchy, Ambient-Drama» bezeichnet. Unheilschwangere Traummusik mit mal sirenenhaften, mal in die Abstraktion verbogenen Gesängen. Unheimlich und schön zu gleichen Teilen.

Dampfzentrale Freitag, 5. Oktober, 21 Uhr.

Der Bund

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