Die Ventilatorin der Berner Literatur

Das Leben der Bernerin Ariane von Graffenried dreht sich um den Tanz zwischen den Sprachen und Kulturen.

Ihre Texte wollen ins Mikrofon: Ariane von Graffenried.

Ihre Texte wollen ins Mikrofon: Ariane von Graffenried. Bild: Alexander Jaquemet

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Sie hat dem «Bund» einmal in einem intimen Interview gestanden, dass sie mit ihren Figuren spreche. Laut. Und dass diese ihr gelegentlich antworten. Und manchmal, verriet die Autorin weiter, zöge sie mit ihren fiktiven Gestalten um die Häuser. Ziemlich wild fühle sich das an.

Laut sprechen mit den eigenen Kunstfiguren? Das ist im Fall von Ariane von Graffenried wohl weniger Marotte als vielmehr Methode. Schliesslich ist das Mündliche das heftig pochende Herz im Schaffen der 40-jährigen Bernerin. Von Graffenrieds Texte sind gedacht fürs Mikrofon, für die Bühne, sie kommen auch sehr gut aus mit Klang und Rhythmus – schliesslich ist sie die eine Hälfte des Poesie und Musik verschmelzenden Duos Fitzgerald & Rimini. Und nicht zuletzt sind von Graffenrieds Texte vielzüngige Sprachkunstwerke, die munter zwischen den Idiomen tanzen, wie jüngst in der Publikation «Babylon Park»: Da reicht ein von allen Behäbigkeiten befreites Berndeutsch umstandslos dem Englischen, Hochdeutschen, Französischen die Hand.

Tanzen zwischen den Sprachen und den Kulturen: Das tat von Graffenried letztes Jahr auch in Kosovo; auf der Austauschreise der Autorengruppe Bern ist überall. Und das tut sie auch in ihren unzähligen anderen Kooperationen, sei es im Spoken-Word-Bereich, fürs Theater, für Kinder, für Jugendliche, für Hiesige, für Dortige. Das ist sowieso die Spezialität der Ariane von Graffenried: Sie reisst immer wieder Fenster auf zu neuen literarischen Gegenden – und sorgt so für hektoliterweise Frischluft in der Berner Literatur. (reg)

Tojo-Theater Reitschule Lesung aus «Babylon Park»: Do, 8. Februar, 20.30 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 01.02.2018, 06:49 Uhr

Zur Person

Name: Ariane von Graffenried.


Funktion: Polyglotte Wortkünstlerin.


Heldentaten: Die Zeilen «My dialect / Qui est jaloux u chli toube / Wäg mire lifelong liason / Avec l’allemand».


Empfohlen für: Menschen mit offenem Ohr für Sprachen und Nuancen.

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