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«Die Berner Tanzszene ist enorm kreativ»

Rena Brandenberger kehrt von Berlin nach Bern zurück und will, dass Bern sich mehr dem Tanz widmet.

Rena Brandenberger findet in Bern viele Profitanzschaffende die keine Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten zu Geld zu machen.
Rena Brandenberger findet in Bern viele Profitanzschaffende die keine Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten zu Geld zu machen.
zvg

«Aus der Not heraus» sei Beta Stage entstanden, weil es in Bern kein Haus gibt, das sich ausschliesslich dem Tanz widme. So steht es in der Pressemitteilung. Ist die Lage so prekär?

Die Lage ist in etwa so: Es gibt wahnsinnig viele Profitanzschaffende in Bern. Ich habe gehört, es herrsche eine regelrechte Eingabeflut für Kulturförderung. Aber Fakt ist auch, dass es wenig Spielmöglichkeiten gibt. Natürlich haben wir die Dampfzentrale, aber die hat den Auftrag, ein Mehrspartenhaus zu sein. Das heisst, sie kann den Tanz nur zu einem Teil abbilden.

Und das reicht nicht?

Das reicht insofern nicht, als dass nicht alle die Möglichkeit haben, unter angenehmen Bedingungen zu arbeiten. Das zehrt an den Kräften. Es gibt viele Kompanien, die ihre Stücke an Pop-up-Orten veranstalten, an Orten also, die keine klassische Auftrittssituation bieten. Das bringt mit sich, dass man von Grund auf alles selbst organisieren muss. Es kann befruchtend sein, nicht immer alles zur Verfügung zu haben. Aber gleichzeitig ist das auch eine enorme Herausforderung. Zwischendurch wäre es entspannend, etwas in einem fix eingerichteten Haus machen zu können.

Beta Stage ist ein Festival, das unter anderem an unüblichen Orten Tanz zeigt. Das Tramdepot beim Burgernziel etwa, oder in der Zoo-Bar und im Cine Rex. Was ist das Ziel?

Im Vordergrund steht für uns der Dialog und die Vernetzung der Berner Tanzschaffenden. Das ist uns gut gelungen: Wir bieten ein diverses Programm, weil wir viele der aktiven Kompanien für das Festival begeistern konnten. Die Sympathie war enorm. Und das, obwohl wir lediglich die Koordination des Anlasses übernehmen. Die Tanzschaffenden organisieren ihre Shows selbst.

Was macht die Berner Szene aus?

Sie ist enorm kreativ und experimentell, das lässt sich an unserem Programm gut nachvollziehen. Mit dabei sind etwa Pink Mama Theatre und das Kollektiv Unplush, die beide den klassischen Tanz neu denken. Oder die Choreografin und Tänzerin Anna Huber, die eine Installation zeigen wird. Mit dabei ist auch Joshua Monten, der hier an der Hochschule der Künste Bern unterrichtet und als Choreograf international erfolgreich ist. Auffallend ist die Experimentierfreude: Jede hat ihren individuellen Stil.

Was sind die momentanen Tanztrends?

Schwierig zu sagen, aber ich beobachte einen globalen Trend: Die Technik wird wieder zelebriert. Eine Zeit lang drehte sich vieles um Alltagsgesten, um das Minimale. Nun geht der Trend zurück zu bewegten Bildern, die stark auf die tanzende Person fokussiert sind. Aber auch Neuinszenierungen feiern eine Rückkehr, das Aufarbeiten von Tanzgeschichte. Das sieht man etwa am Erfolg von Konzert Theater Bern mit «Sacre/Faun/Bolero», das die Klassiker aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts als Neuinterpretationen von jungen, gefragten Choreografen gezeigt hat. Gleichzeitig sieht man sehr viele Zitate auf die 50er-Jahre. Das hat damit zu tun, dass in Deutschland und in der Schweiz Kulturerbe-Preise ausgeschrieben werden.

Wie stellen Sie sich die ideale Tanzstadt vor?

Mir würde schon ein Tanzhaus reichen. Es gäbe darin eine Studiobühne, die sich umbauen, und Räume, die sich mit wenig Aufwand verwandeln liessen. Und Proberäume gäbe es auch, denn die sind schwierig aufzutreiben. Wenn das alles in einem Haus wäre, hätten wir es einfacher, eine Wirkungsstätte daraus zu machen. Nicht zuletzt aber wünsche ich mir ein diverses Publikum, das die Möglichkeit hat, sich kommerzielle und experimentelle Stücke anzusehen. Es geht darum, dass alles, was mit Tanz zu tun hat, Platz findet.

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