Der Durchschlager

Berner Woche

Von der Strasse auf die Bühne, so ging es Gonjasufi. Das Leiden seiner Vergangenheit findet man in der Musik wieder.

Räudiger Blues statt Feelgood-Pop: Gonjasufi.

Räudiger Blues statt Feelgood-Pop: Gonjasufi.

(Bild: zvg)

Xymna Engel

Hoffnung ist harte Arbeit. Jedenfalls bei Gonjasufi, dem Sänger, Produzenten und Yogalehrer aus Kalifornien, der eigentlich Sumach Ecks heisst. Bevor der Mann mit mexikanischen und äthiopischen Wurzeln, dicken Dreadlocks und Zottelbart beim renommierten britischen Label Warp Records unterkam, verkaufte er in San Diego auf der Strasse CDs, schlug sich in Los Angeles durch, ohne Dach über dem Kopf. Da überrascht es nicht, dass dabei kein Feelgood-Pop herauskam, sondern eine krude Mischung aus Hip-Hop, Experimentalelektronika und räudigem Blues.

Gonjasufi - «Vinaigrette» Quelle: Youtube.com

Obwohl man seine Texte, die er mal krächzt, mal säuselt oder zerkaut, nur selten versteht, ist seine Botschaft klar: Man muss sich dem Schmerz so richtig hingeben, um wieder hinauszufinden. So wurde er auch an seinem letzten Konzert in Berlin nicht müde zu betonen: «Erst musst du durch die Hölle, bevor du in den Himmel kommst.» Die optimistischste Message des Abends war wohl sein verschwitztes T-Shirt mit dem Hanfblatt-Print, auf dem stand: «Light up your life».

Wo auf seinem hochgelobten Debüt «A Sufi and a Killer» (2010) noch die Discolichter flackerten, herrscht auf seinem aktuellen Tourwerk «Callus» (2016) völlige Dunkelheit. Die Geigen, die Chöre, die Gitarren, der Fuzz: All diese Elemente sind noch da, doch er hat sie mithilfe von The-Cure-Mitbegründer Pearl Thompson bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die Realität ist hier ein Schrotthaufen aus Missverständnissen, Schmerz und Elend. Ja, man muss es sogar so sagen: «Callus» ist eine 52-minütige Folterkammer. Warum man sich das antut? Vielleicht weil einen die Selbstreinigung nur selten dermassen inspiriert zurückgelassen hat.

Dampfzentrale Freitag, 28. April, 21 Uhr.
Support: Skrapez (USA)

Der Bund

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