David will ein Riese werden

Im Film des Schweizers Dominik Locher trainiert einer mit Gewichten und Spritzen seine Muskeln, bis Körperstärke zur Sucht wird.

Muskelmasse und Hilflosigkeit: Sven Schelker hat sich für seine Rolle gequält wie einst Robert De Niro.

Muskelmasse und Hilflosigkeit: Sven Schelker hat sich für seine Rolle gequält wie einst Robert De Niro. Bild: Filmcoopi

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Dies ist die Geschichte eines jungen Mannes, der befürchtet, kein richtiger Mann zu sein, und der deshalb Muskelmasse mit Männlichkeit verwechselt. Eine reale körperliche Veränderung wird dramatisch sichtbar. Und wir vermuten mal: Schauspielerei wurde da zur qualvoll physischen Kunst.

Also Ehre, wem Ehre gebührt, und sie gebührt dem Hauptdarsteller Sven Schelker. Der habe, liest man in den «Anmerkungen der Produktion», im Vorfeld und während der Dreharbeiten durch «natürliches Bodybuilding» und eine holzfällerhaft anmutende Ernährung (3500 Kalorien pro Tag) neun Kilogramm Gewicht zugelegt und dann in einer Art Körperrückbau-Phase wieder zwölf Kilo abgenommen, um den Beginn der Geschichte drehen zu können. Ein Gefühl von Kompaktheit und Macht habe ihn auf dem Höhepunkt seiner Muskulösität ergriffen, sagt Schelker. Jedenfalls war es eine respekteinflössende Leistung, die sich auch gut zum Klappern eignet, das zum Marketinghandwerk gehört. Sie erinnert ja ein wenig an Robert De Niros Selbstquälerei für «Raging Bull».

Im Übrigen ist «Goliath» natürlich als Spielfilm zu betrachten, und Kunst kommt nicht von Training allein. Durchaus kompakt ist hier auch die Erzählung: wie David (der Name ist naheliegende Anspielung), fast ein Bub noch, Vater werden soll und Ernährer und Beschützer werden will nach uraltem Rollenbild. Wie er aber, als seine schwangere Freundin (Jasna Fritzi Bauer) und er tätlich angegriffen werden, zum Beschützen nicht genug Schlagkraft hat und Schaden nimmt an der sanftmütigen Seele. Jetzt wird David ein geradezu panischer Bodybuilder und süchtiger Konsument von anabolen Steroiden, und das wieder macht aus ihm ein zwar kräftiges, aber aggressives und verfolgungswähnlerisches Bündel Wut.

Eine Hauptfigur vibriert da vor innerer Spannung im Widerspruch von Muskelstärke und Hilflosigkeit. Und seltsamerweise ist das nun auch eine inszenatorische Schwäche des Films: die Konzentration auf dieses konzentrierte Schauspielersolo. Andere Charakterdramen rund um den Protagonisten verlieren so ein wenig an Kraft, Tiefenschärfe und – wenn mans so sagen darf – dramatischer Muskulatur. (Der Bund)

Erstellt: 30.11.2017, 06:56 Uhr

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