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Das Monster unter dem Bett

Die Rapperin Princess Nokia macht mit einem zornigen Album und jeder Menge Giftpfeile in Freiburg halt. (am Mo, 2. März)

Rapperin Princess Nokia auf der Bühne.
Rapperin Princess Nokia auf der Bühne.
Wikipedia

Seit ihrem Konzertchen an der Bad Bonn Kilibi 2017 mochte niemand mehr auf einen gedeihlichen Karriereverlauf von Princess Nokia wetten. Angekündigt als Vorkämpferin eines feministischen Hip-Hop, schien sie auf der Bühne eher mit sich und ihren Prinzipien zu kämpfen.

Bereits in der ersten Wortmeldung ans Publikum machte sie klar, dass sie in ihrer Position als «woman of color» in einem «white place» keinesfalls mit Bier beworfen werden wolle, ansonsten sie ihr Konzert sofort abbrechen werde. Und obwohl nirgendwo auch nur ein Ansinnen auszumachen war, dass jemand seinen Hopfensaft durch den Düdinger Luftraum schleudern wollte, war ihr Auftritt nach einer halben Stunde bereits wieder zu Ende. Die Prinzessin hatte sich darauf beschränkt, Teile ihrer CD mitsamt aller Vocals abzuspielen und jene Zeilen mitzubesprechsingen, die ihr wohl gerade erinnerlich waren. Das war nicht gut.

Vom Pflegekind zum Bestseller

Dass sie eine Frau ist, die sich in ihrem Leben rein gar nichts mehr gefallen lassen will, ist indes in ihrer Biografie begründet. Princess Nokia wuchs als Tochter einer puerto-ricanischen Einwandererfamilie in der Bronx auf. Ihre Mutter starb an Aids, als sie zehn Jahre alt war, in den Pflegefamilien, in denen sie danach unterkam, wurde sie misshandelt.

Mit 16 flüchtete sie und begann ihre Karriere als Rapperin, wurde zum Streaming-Millionenseller, wechselte mal ins Fach des Soul, vollführte einen Schlenker in den Emo-Pop, um letzte Woche mit einem neuen Album aufzutauchen, dessen Titel «Everything Sucks» eine Ahnung davon gibt, dass von ihr keine Schönwetterlebensprognosen zu erwarten sind.

Schon der zweite Track spielt im Irrenhaus, wo Princess Nokia das Monster gibt, das mit gfürchigem Grinsen unter dem Bett lauert und alles in Stücke zu reissen trachtet. Zu prima produzierten Tiefton-Beats spuckt sie vornehmlich Flüche und Verwünschungen in die Welt, aus der sie zuvor jegliche Romantik und Wärme eliminiert hat.

Alles in allem ergibt das zwar ein zorniges, finsteres, modernes und knackiges Hip-Hop-Album – irgendwelche neue feministische Erkenntnisse bleiben jedoch aus. Bis auf dies: Wer geglaubt hat, dass unter der Ägide einer Frau die Welt notwendigerweise zu einem besseren Ort werden könnte, hat die Rechnung nicht mit Prinzess Nokia gemacht.

Fri-Son, Freiburg , Montag, 2. März, 20 Uhr

Information betreffend Coronavirus-Massnahmen: Der Anlass findet nach Angaben der Veranstalter statt. Bitte informieren Sie sich direkt über die Webseite oder die Facebookseite des Veranstalters über den aktuellen Stand und die Einlassbedingungen.

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