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«Das ist wie Zuckerwatte machen»

Der Kabarettist Joachim Rittmeyer wechselt fliessend zwischen Hochphilosophischem und Kalauer. In seinem neuen Programm «Neue Geheimnische» schläft jemand. (ab 22. Oktober)

Joachim Rittmeyer mäandert durchs Menschliche und Allzumenschliche.
Joachim Rittmeyer mäandert durchs Menschliche und Allzumenschliche.
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«Wenn einer auf der Bühne schläft, ist das ja eigentlich ein totaler Stimmungskiller. Aber weil ich ein Faible habe für Antithemen, passiert in meinem Programm genau das.» Joachim Rittmeyer ist berühmt-berüchtigt dafür, dass seine Kabarettabende gerne etwas anders verlaufen, als man dies von gängigen Programmen kennt. Darum teilt der Wahlbasler in seinem 21. Programm «Neue Geheimnische» die Bühne mit einem sehr stillen Compagnon: dem Bauern Roman Zemp, der in einem Kornkreis gefunden worden ist und seitdem im Wachkoma liegt.

Die Figur dient Rittmeyer als Angelpunkt, von welchem aus er in menschlichen und allzumenschlichen Gefilden mäandert. «Das ist wie Zuckerwatte machen», sagt Rittmeyer. «Zemp ist der Stiel, um ihn herum entsteht mehr und mehr Themenmasse.» Ihm sei durchaus bewusst, dass so ein Wachkomapatient eigentlich ein heikles Thema sei. Allerdings sei die Figur ein derart rätselhafter Fall, dass ein genügend grosser Verfremdungseffekt und somit Distanz erzeugt werde.

Wie in einer Serie

Damit die Zuckerwatte auch einen ordentlichen Durchmesser bekommt, lässt Rittmeyer andere Figuren auferstehen, die man aus seinen früheren Programmen kennt. Da wären etwa der überkorrekte Brüter Brauchle, der grüne Freigeist Metzler oder der unbedarfte Dichter Leupi. «Alles Verlierer», sagt Rittmeyer. «Aber gewinnende Verlierer. Scheitern kann ja bekanntlich erheitern und erweitern. Und es gibt doch nichts Lustigeres als Figuren, die versuchen, total souverän aufzutreten, und sich um Kopf und Kragen reden, dabei aber offensichtlich alles in den Sand setzen.»

Brauchle, Metzler, Leupi und Co. begleiten den 67-Jährigen schon seit geraumer Zeit auf der Bühne. Mittlerweile sei es wie in einer Serie, sagt Rittmeyer: Mal fehlt einer im Programm und taucht dann später wieder auf, und manchmal absolviert einer ein Gastspiel, so wie im aktuellen Fall eben Dauerschläfer Zemp. Wobei in dessen Fall wohl eher von Gastschläfchen geredet werden müsste.

Seine Figuren dienen Rittmeyer als Werkzeug, um unterschiedliche Perspektiven entwickeln zu können auf das, was er auf der Bühne abhandeln möchte. Sie seien alte Vertraute, und manchmal ertappe er sich dabei, wie er im Alltag deren Optik aufsetze. Eine Lieblingsfigur nennen will Rittmeyer aber nicht, «sonst geraten die sich deswegen noch in die Haare».

Taktik des Abschweifens

Nebst den Figuren gehören auch ausufernde Abschweifungen zu Joachim Rittmeyers Markenzeichen. Wieso etwas direkt ansprechen, wenn es doch haufenweise absurde, verschrobene und groteske Alternativen zu bedenken gibt? Ungefähr so liesse sich die Taktik des gebürtigen St. Gallers auf der Bühne beschreiben.

Eine Lieblingsfigur nennen will Joachim Rittmeyer nicht, sonst «geraten sie sich deswegen noch in die Haare».

Dabei geht Rittmeyer stets sprachlich virtuos zur Sache, wechselt fliessend zwischen Kalauer und Hochphilosophischem und verpasst es trotz skurrilen thematischen Exkursen nie, den Gedanken-Sack am Schluss dann doch noch zuzumachen – das ist auch in seinem neuen Programm nicht anders.

Grundsätzlich seien seine Bühnentexte ausformuliert, sagt Rittmeyer. Es gebe aber durchaus Situationen, in denen er improvisiere. Oder besser gesagt: seine Bühnenfiguren. «Wenn eine Figur einen Lauf hat, dann kann ich sie ja nicht einfach unterbrechen, sondern lasse sie machen. Damit hab ich dann quasi nichts zu tun.»

La Cappella: Dienstag, 22., bis Samstag, 26.10., 20 Uhr. Weitere Vorstellungen von 30.10. bis 2.11.

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