«Das geringstmögliche Übel im Rahmen des insgesamt Üblen»

Nils Althaus lädt zum 20. Geburtstag der Cappella zum «Talk von gestern» ein. Der Berner hat mit 37 Jahren bereits eine aussergewöhnliche Karriere hinter sich.

Zum 20. Geburtstag der Cappella lädt Nils Althaus zum «Talk von gestern» ein. Erster Gast wird Viktor Giacobbo.

Zum 20. Geburtstag der Cappella lädt Nils Althaus zum «Talk von gestern» ein. Erster Gast wird Viktor Giacobbo. Bild: zvg

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Stimmt es, was Sie in einem kurzen Videointerview sagten: Sie haben Ihre Frau in der Cappella kennen gelernt?
Das stimmt, sie hat dort gearbeitet, während ich auftrat. Solche Abende vereinen immer beide Extreme meines Verhaltens: die Verschlossenheit für Konversation vor dem Auftritt und die grosse Offenheit danach. Wir trafen einander wohl im richtigen Moment an der Bar, heute haben wir zwei Kinder. Die kleine Bühne in der Allmendstrasse hat mich irreversibel geprägt.

Sie geben den Conférencier zum 20-Jahr-Jubiläum der Cappella. An drei Sonntagabenden reden Sie mit Gästen über ihre Werdegänge. Nach welchen Kriterien haben Sie eingeladen?
Meine Gäste sind alle älter als 60 Jahre. Dafür gibts junge Künstler und Musikerinnen im Begleitprogramm. Mit meinen Gesprächspartnern will ich aber über ein ganzes Leben sprechen können und darüber, wie sich die Welt verändert hat.

Dabei sollen auch Schattenseiten und Durststrecken der Karriere besprochen werden. Woher rührt diese retrospektive Demut?
Aus der grundsätzlich leicht dunkelgrau eingefärbten Grundstimmung, in der sich meine Seele badet (schmunzelt). Es ist einfach lebensnäher, wenn nicht alles funktioniert. Wenn ich einen Auftritt verpatze, bleibt das in Erinnerung. Jahre später kommt dann jemand und sagt: «Weisst du noch, in Schangnau, als du den Text vergessen hast?»

Zwischen purem Erfolg und dem Scheitern auf ganzer Linie liegt also unsere wahre Bestimmung?
Ja, aber leider schreiben nur erfolgreiche Menschen Ratgeberliteratur, von den erfolglosen hören wir nichts. Dabei liegt beides sehr nahe beieinander, an den Aussenrändern unserer Bandbreite von Intelligenz und physischem Können, die doch eigentlich sehr schmal ist.

Sie haben es gestanden: Sie sind ein Gutmensch – ein schwieriges Coming-out für einen Kabarettisten. Was meinen Sie, wenn Sie von «effektivem Altruismus» sprechen?
Ein Verhalten, das sich nach der pragmatischen Grundfrage richtet: Wie können wir am meisten Gutes bewirken? Die Antwort kenn ich natürlich nicht, aber im Gegensatz zu allen politischen Parteiprofilen kann ich mich zu dieser Frage bekennen, ohne zugleich meine Unabhängigkeit zu opfern.

Weil die Frage flexibel ist?
Die Frage bleibt dieselbe, aber die Antworten ändern sich. In der Politik habe ich oft das Gefühl, es läuft anders herum: Die Antworten bleiben dieselben und die Fragen ändern sich. Zurzeit denke ich an einer möglichen Antwort herum: Ich möchte eine alternative Laufbahnberatung entwickeln, für junge Menschen, die etwas bewegen wollen.

Sie treten an, um den schlechten Ruf der Berufsberatung zu retten?
Ich finde nicht, dass die bestehenden Institutionen schlecht arbeiten, sondern will ein Angebot schaffen, das ethischen Fragen mehr Gewicht gibt. Beim Stichwort Ethik stellen sich in der ganzen Bildungslandschaft die Nackenhaare auf, man wittert schnell Beeinflussung der Jugendlichen. Als würden unsere Bildungs- und Medienangebote nicht ohnehin auf sie einwirken. Ich strebe – ganz im Sinne des effektiven Altruismus – das geringstmögliche Übel im Rahmen des insgesamt Üblen an. (Der Bund)

Erstellt: 11.10.2018, 07:09 Uhr

Zur Person

Aus der Biochemie über die Kinoleinwand in Kabarett und zurück - so sieht in etwa die Karriere des 37-jährigen Berners Nils Althaus aus. Zum 20. Geburtstag der Cappella lädt er an drei Sonntagen bis Ende Jahr Gäste zu seinem «Talk von gestern» und bespricht mit ihnen auch Durststrecken der Laufbahn. Dabei begleiten ihn mal junge Musikerinnen, mal Knackenoul. Zum Auftakt am So, 14. Oktober um 20 Uhr kommt Viktor Giacobbo in die Cappella.

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