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«Das Gefühl, dass alles möglich ist»

Westafrika ist der musikalische Hauptantrieb des Jazztrompeters Adrien Oggier. In Biel (Sa., 4. 5.) spielt er nun mit dem Orchestre Afro Suisse des Senegalesen Pape Djiby.

Der Walliser Jazztrompeter Adrien Oggier
Der Walliser Jazztrompeter Adrien Oggier
zvg

Schon mit Anfang 20 sind Sie ein Jahr lang durch Westafrika gereist. Bis heute ist das Land ihr musikalischer Hauptantrieb. Was löst diese Musik in Ihnen aus?

Aufregung. Ich bin ein Fan von rauer Ästhetik, von einer Harmonie, die sich aus der Kombination von unterschiedlichen melodischen und rhythmischen Formen ergibt. Und ich glaube an Geheimrezepte, wie jenes von Pape Djiby Ba aus dem Senegal, mit dem wir gerade unser neues Projekt realisieren.

Es gibt ein Foto von Ihnen, Djiby Ba und ein paar weiteren Musikern in der Pariser Metro. Wie kam es zu dieser Aufnahme?

Wir haben in Paris eine Woche lang im Studio Stücke von Djiby Ba neu arrangiert und eingespielt. Matthias Wenger hat hier viel Vorarbeit geleistet. Wir haben dabei versucht, Tradition und Moderne zusammenzubringen, und haben unter anderem mit älteren Musiksequenzen gearbeitet oder Synthies durch Bläser ersetzt. So ist ein Sound entstanden, in dem sich europäischer Jazz, traditionelle senegalesischer Musik, Mbalax und Funk vermischen.

Djiby Ba war in den 70ern in seiner Heimat eine Berühmtheit. Seit knapp zwei Jahren lebt er mit seiner Schweizer Frau in Ittigen. Welche Bedeutung hat er heute in seiner Heimat?

Djiby Bas Geschichte beginnt in den späten 60er-Jahren in Dakar als Sänger und Perkussionist. Er war Mitglied der legendären Star Band Number One und Mitbegründer des Orchestre National. Mit «Senegal Djiambar» und «Balyia» hat Djiby Ba Hits gelandet, die noch heute jeder im Senegal kennt. Danach lebte er über 15 Jahre in Paris. Er ist eine zentrale Figur in der Entwicklung der modernen Musik im Senegal, ein sehr charismatischer Mensch, der sein musikalisches Erbe hütet wie einen Schatz.

Bereits in den Hits von Djiby Ba hört man Synthesizer und elektronische Effekte. Wir stellen uns afrikanische Musiker aber immer noch oft mit traditionellen Instrumenten und bunten Kleider vor. Wie erleben Sie das?

Ich habe nach meinen Reisen eher den Eindruck, unsere westliche Gesellschaft sei in gewissen Dingen zurückgeblieben. Dakar zum Beispiel ist eine Riesenstadt, die sich immer wieder neu erfindet. Man orientiert sich zwar stark an der Tradition, aber die Musiker hier sind sehr progressiv. Die Plattenindustrie hat jedoch viel zu lange nur dieses Traditionsklischee exportiert. Und übrigens: Schon in den 70er-Jahren spielte der Senegalese Guelewar mit einem Mini-Moog Synth.

Das Projekt mit dem Orchestre Afro Suisse ist nicht das erste grenzenübergreifende Grossprojekt, an dem Sie beteiligt sind. Da wäre zum Beispiel eine Reise mit Ihrer zehnköpfigen Band Faranas und dem malischen Gitarristen Baba Salah 2014 nach Burkina Faso. Welche Herausforderungen bringen solche Unternehmungen mit sich?

Der Zeitfaktor hat in Afrika eine ganz andere Bedeutung, der soziale Austausch hat Vorrang. Ohne intensives Verhandeln läuft da gar nichts. Im Gegensatz zu unseren Breitengraden geben einem die Menschen in Mali, Burkina oder Senegal aber immer das Gefühl, dass alles möglich ist.

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