Das Falsche richtig machen

Das Künstlerkollektiv Faka aus Johannesburg kämpft mit Basstrommeln und nackten Hintern gegen gesellschaftliche Ausgrenzung.

Stärke in Samthandschuhen: Faka.

Stärke in Samthandschuhen: Faka. Bild: Nick Widmer

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Durchsichtige Négligés, knallrote High Heels, Ohrringe und Samthandschuhe: Für die meisten sind das Zeichen von Weiblichkeit. Bei Faka sind es Zeichen des Widerstands. Denn Buyani Duma und Thato Ramaisa nennen sich auch Desire Marea and Fela Gucci. In dieser Rolle posieren die beiden Männer etwa vor einem verwahrlosten Ladenlokal im Nachthemd, in Netzstrumpfosen auf dem Fussballplatz oder sie räkeln sich im Glitzerkostüm auf einem Steinhaufen im südafrikanischen Niemandsland. Am meisten Reaktionen löste aber ihr Cover zur Single «Isende Lendlela» aus: Zwei nackte schwarze Männer mit langen blonden Perücken auf einer Leiter, umgeben von einem Haufen Ziegelsteine, Plastikplanen und Heuresten.

Basstrommeln und Triller

Nun, das Sichtbarmachen von fluiden Identitäten ist per se noch keine Kunst. Dass sie es damit aber durchaus ernst meinen, beweisen Duma und Ramaisa mit ihrem Künstlerkollektiv Faka. Faka bedeutet auf Zulu «besetzen» und «eindringen» - und zwar in eine Gesellschaft, in der die sexuelle Orientierung eine Lebensgefahr sein kann.

«Wir wollen die Unsichtbarkeit bekämpfen, indem wir sichtbar sind», sagen sie. Und geben der LGBTQ-Community eine Stimme. Zum Beispiel in ihrem Video zur Single «Queenie». Zwischen den Beats sind Sätze zu hören wie: «Meine Eltern waren sprachlos» oder «Ich dachte immer, ich sei falsch».

Die Musik dazu ist ein Befreiungsschlag mit wuchtigen Basstrommeln, Trillern und einem melodiösen Sprechgesang. Gqom nennt sich diese Spielart des Kwaito, eine Tanzmusik, die von Durban aus ganz Südafrika erobert hat. Es ist der Rhythmus eines neuen südafrikanischen Selbstbewusstseins, vom Traum von Vereinigung. «Post Gospel Pain» nennen Faka ihre politisch aufgeladene Mischung aus Drone-Sounds, Gospel und House.

Doch in all der Ernsthaftigkeit ihres Weltverbessertums hat auch der Humor einen wichtige Rolle. So wurden sie unlängst in einem Interview zu ihren Zukunftsplänen befragt. Ihre Antwort: «Mit Grace Jones Mimosas trinken.»

Turnhalle Progr, Mittwoch, 14.11. 19:30 Uhr (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.11.2018, 07:04 Uhr

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