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Blumen und Back-ups

Die performative Versuchsanordnung «Wald» sucht zwischen Bäumen nach einem neuen Weltkonzept.

In «Wald» wird die Natur zum Forschungslabor.
In «Wald» wird die Natur zum Forschungslabor.
zvg

In dieser Geschichte trägt Rotkäppchen keine rote Mütze, sondern weisse Plastiksandalen. Und es ist nicht allein. Zwei Freunde mit vollen Rucksäcken begleiten es. Denn der böse Wolf, der ist in diesem Wald unsere moderne Welt.

«Ich stelle mir einen Wald voller Kiefern und Elektronikgeräte vor, in dem Rehe friedlich an Computern vorbeilaufen, als wären diese Blumen mit sich drehenden Blüten», heisst es an einer Stelle im Stück «Wald» von Katharina Germo, Timon Jansen und Laura Knüsel. Die drei Theaterschaffenden – kennen gelernt haben sie sich im Rahmen des Theaterstudiums der Zürcher Hochschule der Künste – machen den Wald zum Zukunftslabor.

Gesucht wird nach einem neuen Weltkonzept, in dem das Verhältnis von Natur, Mensch und Technologie neu bestimmt wird. Konkret heisst das: Die Grenzen des Ich werden aufgelöst. Wie? Indem Schizophrenie auf kontrollierte Weise praktiziert wird. Das klingt nach einem ziemlich verwinkelten Stück Theater, und genau das soll es auch sein. Die drei Forschenden legen Stromverbindungen zwischen Menschen und Objekten und werkeln an einem Erdcomputer, der ihnen die Kommunikation mit der Erde ermöglichen soll. Als ideelles Back-up haben sie in ihren Rucksäcken das Büchlein «Lenz» von Georg Büchner gepackt, dieses sprachgewaltige Zeugnis eines ewig Zerrissenen im Naturrausch.

Die performative Versuchsanordnung «Wald» holt das Draussen nach Drinnen, um eine Zukunft zu skizzieren, in welcher der Mensch zurück zur Natur findet und neben Maschinen existiert, die voller Liebe und Anmut sind. Dabei geht es weniger um konkrete Lösungen als um die Erweiterung der menschlichen Vorstellungskraft. Denn die braucht es, um eine alternative Welt überhaupt denken zu können.

Tojo-Theater Fr, 22., Sa, 23. Juni, 20.30 Uhr & So, 24. Juni, 19 Uhr.

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