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Befreiung einer Königin

Pongo erquickt Tribal, Hip-Hop und Dancefloor – und steht damit auch für ein multikulturelles Lissabon. (Mi, 19.2)

Xymna Engel
«Die Musik ist ein Ort, wo ich mit meinen Erinnerungen an Angola glücklich sein kann», sagt Pongo.
«Die Musik ist ein Ort, wo ich mit meinen Erinnerungen an Angola glücklich sein kann», sagt Pongo.
zvg

Ein Bild wird Pongo für immer in Erinnerung bleiben: wie ihr Vater an einer Tanzveranstaltung in ihrer Heimat Luanda in fieberhaftem Rausch seine Kizomba- und Semba-Tanzschritte zum Besten gibt. So ausgelassen sieht man die Menschen in Angola Ende der 90er-Jahre nur selten: Es herrscht Bürgerkrieg, immer noch. Wenig später muss auch Pongos Familie das Land verlassen, da ist sie gerade neun Jahre alt.

In Lissabon findet sie eine zweite Heimat, «ein neues Licht», wie sagt. Doch auch hier ist das Leben nicht einfach. Der Vater arbeitet auf dem Bau, die Mutter als Küchenhilfe. In der Schule muss Pongo von vorne beginnen, da sie keine Unterlagen über ihre frühere Schulbildung hat. Sie erlebt Rassismus. In ihrer Jugend wird die Musik für sie zur Notwendigkeit, zum Freiheitsschlag. In den Strassen Lissabons liefert sie sich Dance-Battles, hat erste Auftritte. Auf die grossen Bühnen kommt die Frau mit der schlagenden Stimme in der Formation Buraka Som Sistema. Sie feiern mit ihrer Mischung aus angolanischen Rhythmen des Kuduro, Techno, Hip-Hop und Dancehall weltweit Erfolge.

Hektischer Hybrid

Ein paar Jahre später beginnt die Verwandlung zur Solokünstlerin: Pongo kleidet sich extravaganter, schneidet sich den Afro raspelkurz und färbt ihn blond. Sie wird zur «Königin des Neo-Kuduro», dieses hektischen, äusserst tanzbaren Hybrids aus traditionellen afrikanischen Rhythmen und harten elektronischen Beats. In ihren Hochgeschwindigkeits-Raps vermischt sie den Strassenslang Angolas mit jenem Lissabons.

Doch trotz ihrer harten Vergangenheit will sie positive Musik machen, denn sie ist «ein Ort, wo ich mit meinen Erinnerungen an Angola glücklich sein kann». So singt sie in der Beinahe-Ballade «Kuzola» über eine verflossene Liebe, im Video steht ihr die Trauer ins Gesicht geschrieben, doch die Musik wird getrieben von aufgeregten Rasseln und groovenden Basslinien.

Ihren Spitznamen Pongo gab ihr einst ihr Vater als Andenken an die feministische kongolesische Sängerin M’Pongo Love. Und in gewisser Weise trägt Pongo dieses Erbe tatsächlich weiter. Denn mit ihrer Schmelztiegel-Musik steht sie auch für ein neues, multikulturelles Lissabon.

Turnhalle Progr, Mittwoch, 19. Februar, 20.30 Uhr

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