Ausschweifender Schuhsohlenpop

Musik mit der Kraft eines Bienenschwarms: Die Brüder Reid haben nach 18 Jahren wieder ein grossartiges Album veröffentlicht.

Die Brüder Reid: William und Jim.

Die Brüder Reid: William und Jim. Bild: zvg

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1985 wurde William Reid nach einem Konzert in London von einem Journalisten gefragt, was er davon halte, dass seine Band The Jesus and Mary Chain als die beste neue Band und gleichzeitig die schlechteste gelte. William, damals noch mit Lederjacke und mühevoll toupierter Scheiss-egal-Frisur: «Meine Lieblingsfarbe ist Gold.»

Kurz zuvor war das Debütalbum «Psychocandy» der Brüder William und Jim aus der heruntergekommenen schottischen Kleinstadt East Kilbride erschienen. Darauf: eine ganz und gar neuartige Musik mit der Kraft eines Bienenschwarms, in der sich die Lässigkeit der The Shangri-Las mit dem Lärmrausch der Einstürzenden Neubauten kreuzte.

Die Konzerte von The Jesus and Mary Chain dauerten damals oft nur 20 Minuten und endeten nicht selten in einer Prügelei zwischen den Brüdern, die sich bis ins Publikum ausdehnte.

Jesus and Mary Chain live im Electric Ballroom in Camden 1985.

«Es ist kein schwerer Job», riet Bobby Gillespie, Schlagzeuger von 84 bis 86, seinem Nachfolger, «einfach wegducken, wenn die Flaschen fliegen.» Doch der Zwist zwischen den Brüdern wurde immer schlimmer: Ende der 90er löste sich die Band auf. Es ist kein Einfaches mit diesem Duo, und wahrscheinlich liegt genau in dieser Widerborstigkeit der Grund für den bis heute andauernden Applaus.

Seit 2007 treten William und Jim wieder gemeinsam auf. «I hate my brother / and my brother hates me / that’s the way it’s gotta be», singt Jim auf dem im letzten Jahr veröffentlichten Album «Damage and Joy», ihrem ersten seit 18 Jahren. Es fliegen zwar keine Bierflaschen mehr, dafür hin und wieder ein Sandwich. Doch die alte Intensität ist noch da, die Meister der endlosen Gitarrenfeedbacks fabrizieren auf «Damage and Joy» einen wunderbar ausschweifenden Schuhsohlenpop.

William war übrigens nicht immer um eine ehrliche Antwort verlegen: «Wir versuchen alles so pur wie möglich zu machen», sagte er 1986 in einem Interview. Es ist ihnen auch 30 Jahre später gelungen.

Fri-Son Freiburg Montag, 21. Mai, 20 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 17.05.2018, 07:17 Uhr

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