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Ausgetrickst vom Kopf

Christof Wolfisberg vom Duo «Ohne Rolf» lässt in seinem Solostück das Publikum abschweifen.

Bleibt nicht länger stumm: Christof Wolfisberg.
Bleibt nicht länger stumm: Christof Wolfisberg.
Beat Allgaier

Man kennt das: Da sitzt man im Theater, die Vorstellung läuft, aber statt sich auf das Bühnengeschehen zu konzentrieren, macht sich der Kopf selbstständig. Vielleicht drückt auch noch die Blase, vielleicht riecht der Nachbar unangenehm; die Ablenkungen sind zahlreich.

Im ersten Soloprogramm von Christof Wolfisberg aber ist es ausdrücklich erlaubt, sich gedanklich treiben zu lassen: «Abschweifer» heisst der Abend (Regie: Dominique Müller), an dem Wolfisberg in die Hirnwindungen des Publikums blickt. Zum ersten Mal macht der Luzerner Kleinkünstler auf der Bühne ausserdem von seiner Stimme Gebrauch. Als die eine Hälfte des Duos «Ohne Rolf» kommuniziert er sonst gemeinsam mit seinem Bühnenpartner Jonas Anderhub nur anhand beschrifteter Papierbögen mit dem Publikum.

Ein «Textzwang», so Wolfisberg, besteht aber auch in seinem Solostück. Dieses beginnt als vermeintliche Lesung eines Romans; doch die Geschichte, die Wolfisberg vorliest, beginnt sich zunehmend mit der Wirklichkeit, also mit der Situation im Theater, zu überschneiden. Das geht dann so weit, dass das Skript den Gedanken des Vorlesers in die Quere kommt und ihm diktiert, was er zu tun hat. Steht da beispielsweise, er trinke einen Schluck Wasser, obwohl gar keines vorhanden ist: Kann er dann in den vorbestimmten Verlauf des Abends eingreifen und sich der Anweisung verweigern? Sein Schicksal austricksen?

Es ist eine Art Meta-Theater, das Christof Wolfisberg da erschafft – ein klug verschachtelter Gedankentrip, in dem auch noch ein kotzender Gartenzwerg, ein Büsi-Massaker und natürlich das Publikum eine Rolle spielen. (lri)

La Cappella Di, 30. April, 7. und 14. Mai, jeweils 20 Uhr

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