Auflösung einer Schmerzensfrau

Die deutsche Nachwuchsregisseurin Mizgin Bilmen inszeniert Ingeborg Bachmanns Roman «Malina».

«An ‹Malina› ist alles aktuell»: 
Mizgin Bilmen.

«An ‹Malina› ist alles aktuell»: Mizgin Bilmen. Bild: Evemy Fülmen/zvg

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Die Literaturwissenschaft ist sich weitgehend einig: Der Militärhistoriker Malina, die titelgebende Figur aus Ingeborg Bachmanns Roman, soll für Max Frisch stehen. Mit ihm führte Bachmann (1926–1973) eine Liebesbeziehung; ein ebenso leidenschaftliches wie zerstörerisches Verhältnis, wie wir heute wissen. Und eines, das zur Folge hatte, dass man Bachmann im Nachhinein «zur Schmerzensfrau der literarischen Moderne» stilisierte.

Lässt sich die eher rätselhafte Erzählung «Malina», die als Innensicht einer namenlosen Schriftstellerin angelegt ist, also aufschlüsseln? Immerhin bezeichnete Bachmann das Buch als «geistige Autobiografie». Sicher ist, dass man sich nicht im Leben der Autorin auskennen muss, um zu verstehen, dass die Protagonistin an einer erdrückenden, männerdominierten Welt leidet, aus der sie dann auch zwangsläufig verschwinden muss – indem sie sich selber auflöst.

Erinnerung und Identität

Gefangen ist die Hauptfigur aber auch in traumatischen Erinnerungen an die Gräuel des Zweiten Weltkriegs, die sie in der Mitte des Buchs heimsuchen. Für die 34-jährige deutsche Regisseurin Mizgin Bilmen, die bei Konzert Theater Bern eine Adaption von «Malina» auf die Bühne bringt, ist am Roman von 1971 «eigentlich alles aktuell». Mizgin Bilmen hat Schauspielregie studiert und mit ihrer ersten Musiktheater-Produktion letztes Jahr einen Nachwuchsförderpreis gewonnen.

Dabei sei sie «eher durch Zufall» zur Oper gekommen, wie sie sagt – und wendet sich nun wieder dem Schauspiel zu. «Malina» handelt für sie von «Fragen der Erinnerungsaufarbeitung und der eigenen Identität». Und nicht zuletzt «von hochrangig intellektuellen Frauen innerhalb eines patriarchalen Gesellschaftssystems».

Vidmar 2 Mi, 17. Januar, 19.30 Uhr (Premiere). Bis 21. März. www.konzerttheaterbern.ch (Der Bund)

Erstellt: 11.01.2018, 07:10 Uhr

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