«Alles geht durch hundert Hände»

Die deutsche Kostüm- und Bühnenbildnerin Prisca Baumann hat verrückte und farbenfrohe Kostüme für das Stück «Donkey der Schotte» erschaffen.

Prisca Baumann kann der Premiere von «Donkey der Schotte» gelassen entgegen schauen. Die Tage vor der Premiere sind die stressigsten für die Kostümbildnerin.

Prisca Baumann kann der Premiere von «Donkey der Schotte» gelassen entgegen schauen. Die Tage vor der Premiere sind die stressigsten für die Kostümbildnerin.

(Bild: Anne Morgenstern)

Xymna Engel

Bei der Premiere von «Donkey der Schotte» ist Ihr Job eigentlich schon getan. Sind sie trotzdem nervös?
Bei der Premiere selber nicht, aber in den Tagen davor wird es schon mal hektisch. Denn auch nach der Kostümabgabe gibt es noch viel zu tun. Manche Rollen funktionieren auf der Bühne ganz anders als auf Papier. Wir hatten uns zum Beispiel überlegt, dass es ein Ungeheuer geben könnte, das der Fantasie des Ritters Don Quijote entspringt. Wie das genau aussieht, hat sich aber erst bei den Proben aus der Szene heraus ergeben.

Esel, Pferd, Schafe und Fabelwesen: Sie haben einen bunten und verrückten Haufen von Tieren entworfen. Wie wird der Esel zum Esel?
Ich will nicht zu viel verraten. Darum nur so viel: Im Stück können die Tiere sprechen, sie gehen auf zwei Beinen und müssen nicht mit den Ohren wackeln können. Wir mussten also keine komplette Eselsanatomie übernehmen, sondern können einen grossen Teil der Fantasie überlassen.

Was ist denn überhaupt ein gutes Kostüm?
Im Unterschied zum Modedesign sollen die Kostüme in erster Linie die Figuren und die Welt stützen, die wir auf die Bühne bringen. Es geht nicht nur darum, raffiniert geschnittene Kleider zu haben, sondern darum, dass die Schauspieler sich verwandeln können.

An welche Details müssen Sie denken, die für die Zuschauer vielleicht gar nicht sichtbar sind?
Oh da gibt es ganz viele. Da wäre zum Beispiel die Unterwäsche. Oder Antirutschsohlen. Ausserdem werden an einem Tag oft zwei Vorstellungen gespielt. Nach der ersten sind die Kostüme der Hauptdarsteller durchgeschwitzt, darum fertigen wir vieles doppelt an. Jedes Teil auf der Bühne geht durch hundert Hände, ständig wird ausgebessert, überstrichen oder ausgetauscht.

«Donkey der Schotte» ist ein Stück für Kinder ab sechs Jahren. Wo liegt hier die Herausforderung?
Ich finde, man muss bei einem Kinderstück gar nicht so anders denken als bei Erwachsenenstücken. In erster Linie muss das, was wir uns ausdenken, auch lesbar sein. Man darf die Kinder nicht unterschätzen, sondern sie ernst nehmen. Aber klar, bei einem Kinderstück lässt man schon mehr Spielereien zu.

Inwiefern müssen Sie auch dramaturgisch mitdenken?
Das ist oft der Fall. Don Quijote hat ja diese Fantasiegespinste. Die Autoren des Stücks erklären es im Unterschied zum Original von Cervantes darüber, dass er ein demenzkranker alter Mann ist. Als Kostümbildnerin überlegt man dann, was diese Symptome mit einer Person machen: Wie zieht sie sich an? Wie geht sie? Dramaturgisch denkt man die grossen Bögen mit. Was passiert zum Beispiel, wenn das Pferd Rosi aus dem Zirkus zurückkommt, wo es seinen grossen Traum erfüllen wollte? Aber nicht nur ich denke die Dramaturgie mit, sondern auch umgekehrt. Man erschafft diese Welt ja als Team. Mit Regisseurin Sophie Bodamer habe ich schon oft zusammengearbeitet, und wir haben sehr ähnliche Bilder im Kopf – das ist schon fast telepathisch.

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