Afrikas Gegenwartsmusik

Auf so was hat der ISC lange gewartet: Joey Le Soldat stellt Elektro-Hop aus Ouagadougou vor, Spoek Mathambo bringt Tanzmusik aus den Townships auf die Bühne.

Joey Le Soldat ist der wohl explosivste Rapper von Burkina Faso.

Joey Le Soldat ist der wohl explosivste Rapper von Burkina Faso. Bild: zvg

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Ouagadougou ist keine sonderlich schöne Stadt. Würde man jemanden beauftragen, eine Skyline der Hauptstadt von Burkina Faso zu schnitzen, er wäre kaum imstande, den Auftrag zu irgendjemandes Zufriedenheit auszuführen. Joey Le Soldat lebt in dieser Stadt, im Bezirk Tanghin, Sektor 23, im Haus seiner Mutter, nebenbei jobbt er als Gärtner oder er gibt den Kindern in der Schule des Quartiers Unterricht.

Alles schön und nett, doch sein militanter Name kommt nicht von ungefähr. Joey Le Soldat ist der wohl explosivste Rapper des Landes. Seine Worte bezeichnet er als Waffen (er dichtet in der Sprache der Mossi oder auf Französisch), seine Themen sind die Zwangsheirat, die täglichen Raubüberfälle, das Leben der Strassenkinder und was die Bewohner eines der ärmsten und kargsten Länder der Welt sonst so umtreibt. Seine Beats und Bässe lassen das Bauchfell erzittern, Rudimentär-Elektronik trifft auf archaische Trommeln, mal klingt das wie afro-futuristischer Ragga («Burkin ba»), mal wie zappendusterer Ethno-Trap («D.M.D.»).

Quelle: youtube

Auf seinem vor zwei Wochen erschienenen neuen Album «Barka» frönt Joey Le Soldat einer etwas gemütlicheren Form des tribalistischen Hip-Hops. Gut ist das immer noch, und mit Ethno-Kitsch hat Joey Le Soldat rein gar nichts am Hut.

Quelle: youtube

Nicht ganz kitschfrei ist dafür das Schaffen des südafrikanischen Produzenten Spoek Mathambo, der diesen Sommer mit seinem Nebenprojekt Batuk das Festival No Borders, no Nations beehrt hat. Sein neues Album «Mzansi Beat Code» schlenkert zwischen lustigem Bubblegum-Funk, raffiniertem Kwaito-Ragga, Township-Elektro und – leider auch – ziemlich schmieriger House-Mucke. Genie und Unsinn wechseln sich in regelmässiger Folge ab. Tanzbar ist das allemal, und im Irritieren der Hörgewohnheiten gehört Spoek Mathambo ohnehin zu den Grossmeistern.

ISC Donnerstag, 12. Oktober, 20.30 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 12.10.2017, 06:57 Uhr

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