WC-Papier als Waffe

Mit viel Klamauk gehen in «König Übü» Kinder gegen einen grausigen Herrscher vor (ab Donnerstag, 13. Juni).

Kinder marschieren gegen einen Kindskopf.

Kinder marschieren gegen einen Kindskopf.

(Bild: Yoshiko Kusano)

Xymna Engel

«Merdre!»: Kaum hat Vater Ubu sein erstes Wort gesagt, ist das Publikum auch schon in Aufruhr. Die Uraufführung von Alfred Jarrys «König Ubu» in Paris 1896 ist einer der hübschesten Aufreger der Theatergeschichte. Und was passiert nach solchen Skandalen meistens? Sie werden zum Welterfolg. So auch «König Ubu», diese Posse über einen kleinen, grundekligen König, der als Folterinstrumente etwa das Kneifschwein oder die Ohrenschere erfindet. Überhaupt bevölkern dieses Stück ausschliesslich böse Figuren. Der Held: wird nicht kommen. Und manche behaupten im Rückblick, «König Ubu» sei nichts weniger als die Geburtsstunde des modernen Theaters gewesen. Sicher ist: Surrealisten und Dadaisten stürzten sich auf diesen absurden Stoff.

Der Kinderclub des Schlachthaus-Theaters spielt den kuriosen Klassiker nun unter dem Titel «König Übü» mit «Krawall, Klamauk und viel WC-Papier». Der Text stammt vom Berner Chef-Absurdisten Matto Kämpf, die Leitung haben Luzius Engel (Kollektiv F, Co-Leiter Grosse Halle), und Emily Magorrian (Performerin und Regisseurin), die den Kinderclub des Hauses führen. Und wer, wenn nicht Kinder, könnte besser gegen einen Kindskopf von einem König rebellieren? Ausserdem: «König Ubu» war vielleicht nicht nur die Geburtsstunde des modernen Theaters, sondern eine Zukunftshorrorvision einer Realität, die uns seltsam vertraut vorkommt.

Schlachthaus-Theater, Donnerstag, 13. Juni, 19 Uhr, bis 16. Juni

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