Aues was Rächt isch

«Mundart»-Kolumnistin Renata Burckhardt über Richtig und Falsch.

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Was heisst eigentläch zrächtwyse? Ursprünglech vilecht: «Jemandem den richtigen Weg weisen» oder «zu Recht massregeln»? Ir Schwyz heissts äuä «zuer Ordnig rüefe.» Vilecht nid nume geng schlächt. Mängisch verlüürt me ja dr Überblick, de ischs guet, we öpper chunnt u seit: «Lueg, so ischs richtig.» Aber s isch geng son e Sach, das mit em richtig oder fautsch. S git ja ou es «Zu-Unrecht-Weisen».

I wirden im Alltag no hüfig zrächt-gwyse. Bym Kömmerle, bym Fahre uf dr Grebse, i de Öffentleche, bym Schaffe, bym Gschwelle, sowieso bym Rede und o bym Schrybe. I myner letschte Kolumne han i über Hass gschrybe. Drufabe han i paar Läserbriefe mit Korrekture bercho – nid inhautlech, nume beträffend Rächtschrybig. Zuegäh, bym Thema Hass hätt i mir inhautlechi Reaktione gwünscht. Aber nei, als würd Hass hie nid interessiere! I söu nid «st» schrybe, sondern «scht». Aber vo ganz ächte, so richtig ächte Bärner Outore weiss i, dass sogar dr Kurt Marti einisch «scht» gschrybe heig, es angers Mau «st». I söu auso «Bushauteschtell» schrybe, nid «Bushaltestelle». Ja, «Bushaltestelle» isch z hochdütsch. Blöd, das hani überseh. Aber wär de nid wenn scho «Bösshautschteu» richtig? E cheibe Sach, das mit dr Rächtschrybig vo Mundart – u da ischs wider, das Wort «Rächt». Es hockt tief drinn ir Schwyzer Seel. Mir sy e Zrächtwys-Nation.

Zerscht Mau isch mir das ufgfaue, won en auti Nachbarin mir verzeut het, si heig e Chemp im Mage. Drum müess si i d Therapie. Zerscht han i mi über ihres Vertroue gfröit. De aber het si gseit, si heig wäg mir e Chemp im Mage – u wäg dene vile Schueh, wo geng vor myre Wohnig stienge. I bi paff gsi.

Oder chürzlech sitzt d Susle ir Bahnhofhalle u roucht e Sesch. Da chunnt e Frou u wünscht dr Susle uf d Wiehnacht Lungechräbs, mit müglechscht viu Metaschtase, ja, aus Roucherin syg si säuber dschuld. D Susle isch paff gsi. Oder einisch sitzen i im Zug u lose Sound über Chopfhörer. Seit e Frou im angeren Abteil, i müess mi nid wundere, wen i gly e Ghörschade heig. Ere Fründin, e ziemlech rundi, isch im Lade scho gseit worde, we me so dick syg wie si, chouf me gschyder ke Schoggi meh. En angeri Fründin, wo nach vile Jahr China zrügg i d Schwyz isch cho, het us luter Fröid über früschi Aprikose zwöi Kilo drvo kouft. Drufabe seit e Maa: Ob si sech nid schämi, so gierig, zuedäm syg das Food-Wasting.

Zrächtwysige sy öppis Ambivalänts. Wöu sech ymische isch ja nid nume geng schlächt. Sech zueschtändig füehle für das, wo passiert. Sech engagiere u verantwortlech mache. S isch wichtig für ne Gseuschaft, dass nid aui umeschlurfe u finge: «Wurscht, s isch mr Wurscht.» Aber s chunnt mr mängisch vor, dass de by gröbere Sache niemer zrächtwyst, sech muetig ymischt. We eine uf dr Strass ligt. We zwo ufenang losgöh. We dunkelhütigi Lüt durend kontrolliert wärde. I serig Momänte heissts de ehnder, s müess jede säuber wüsse oder da chönn me nid viu mache u so.

Aber äbe. O hie vo mir itz viu Wort über was rächt syg u was nid. Statt über Hass, über d Outoinduschtrie, über d Froue z Saudiarabie, über d Ärderwärmig oder über d AfD. Aber nüt für unguet. Hätt i ja chönne. U d Läserbriefe sy übrigens fründlech u sogar witzig gsi. (Der Bund)

Erstellt: 29.09.2017, 07:36 Uhr

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