Auch von dieser Welt

Am Festival für Menschen mit und ohne Behinderung gibt es Musik zu bestaunen, die der landläufigen Vernunft den Stinkefinger zeigt.

Ein Freak: Marc Amacher.<p class='credit'>(Bild: Pro Sieben)</p>

Ein Freak: Marc Amacher.

(Bild: Pro Sieben)

Ane Hebeisen

Es ist eine Musik, die nicht dem Naheliegenden folgt. Und da sind Lieder darunter, von deren Interpretation ein Imageberater wohl eher abraten würde – zu sonderbar, würde er argumentieren, zu weltfremd und ganz einfach zu wenig cool. Die Hora’Band spielt diese Lieder trotzdem. Und der Reiz dieser Songs liegt gerade darin, dass sie dermassen sonderbar und weltfremd sind. Sie sind Köpfen entsprungen, welche die Welt nach anderen Kriterien abtasten als – sagen wir mal – die gemeine Migros-Schweiz. Lieder auch, in denen sich Zeit und Raum, guter und schlechter Geschmack, auf wunderliche Weise auflösen. Und Coolness ist ohnehin ein relatives Spezifikum.

Die Hora’Band aus Zürich besteht aus Menschen mit einer geistigen oder psychischen Beeinträchtigung, unter anderem fand sich in ihren Reihen einst eine Organistin mit einer Phobie vor Tasten. Hat man es sich erst einmal bequem gemacht in dieser sympathisch schunkelnden Welt der schiefen Töne, der holpernden Beats und der unverblümten Poesie, dann fällt es schwer, daraus wieder aufzutauchen. Jedenfalls mutet es schon fast ein wenig befremdend an, wenn mitten im Set der (nicht beeinträchtigte) musikalische Leiter auf einmal ans Frontmikrofon tritt und einen richtig ambitionierten Blues-Rock-Song anstimmt.

Die Hora’Band ist quasi die Hausband des Säbeli Bum, des Festivals für Menschen mit und ohne Behinderung. Zum 10. Mal findet es nun schon statt, und im Jubiläumsjahr gibts zwei Haupt-Acts zu bestaunen, die ihrerseits irgendwo zwischen Dachschaden und Coolness agieren. Marc Amacher war der Freak der «Voice of Germany»-Staffel 2016 und hat nun ein recht konfuses Blues-Album aufgenommen. Und die Herren von Mister Milano schlenkern furios zwischen Disco-Kitsch, Psychedelik und Italianità. Übrigens: Sänger Max Usata traktiert dabei seine ostdeutsche Siebzigerjahre-Orgel auf eine Art und Weise, die ebenfalls auf eine Tasten-Phobie hindeuten könnte.

Dazu gibts Vorführungen des Zirkus Chnopf, der sich im neuen Programm dem Thema «Freaks» widmet, Tomazobi wird die Zwerchfelle flattern lassen, während Clochard Deluxe den russischen Cha-Cha-Cha vollführen wird. Es dürfte also ein heiteres Fest werden.

Warmbächlibrache Mittwoch, 15., bis Sonntag, 19. August.

Der Bund

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