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Wo sind die attraktiven Freiflächen?

Hallo Stadt, bitte kreative Planungsansätze für öffentliche Räume im Länggassquartier entwickeln!

Das Berner Länggassquartier erlebte in den letzten Jahren einen enormen Entwicklungsschub: Neue Restaurants und Bars öffneten - und kleine Läden von Kinderkleidung bis zu Design-Shops vergrössern die infrastrukturelle Vielfalt. Was im Quartier fehlt, sind attraktive Freiflächen. Die Qualität der öffentlichen Platzgestaltung blieb leider meist auf der Strecke. Zudem werden stadtnahe Erholungsgebiete wie der Bremgartenwald durch Bauprojekte bedroht.

Einen wichtigen Beitrag zur urbanistischen Entwicklung des Quartiers leistete die Universität Bern: Statt einen neuen monumentalen Campus am Stadtrand zu errichten, entschied sie sich 1982 für den Kauf des Industrieareals der Schokoladenfabrik Tobler an der Länggassstrasse, um es zum geisteswissenschaftlichen Zentrum umzubauen. Mit weiteren Umnutzungsprojekten wie dem ehemaligen Frauenspital (heute UniS) an der Schanzeneckstrasse und dem gegenwärtigen Ausbau des Von-Roll-Areals entlang der Fabrikstrasse kamen die Studierenden, die in den Veranstaltungspausen zusätzlich zu den Bewohnern die Nachfrage nach Gastronomie und Geschäften steigerten. Mit der künftigen universitären Nutzung der SBB-Immobilien auf der Grossen Schanze und in der Mittelstrasse wird diese Gruppe urbaner Pausen- Flaneure nochmals zunehmen.

Zwanglose Begegnungen

Die Universität erkannte das Bedürfnis nach Aufenthaltsräumen, sodass sie in dem neuen Institutsgebäude Von Roll, das zusammen mit der Pädagogischen Hochschule zum Herbstsemester 2013 in Betrieb genommen wird, grössten Wert auf freie Begegnungsräume legte. Der nach dem ursprünglichen Entwurf des Zürcher Büros guiliani.hönger realisierte Bau, dessen mächtige, ziegelsichtige Obergeschosse markant über das Erdgeschoss hinauskragen, schafft sowohl in der Bibliothek als auch in den Bürotrakten grosszügige Flächen zur zwanglosen Begegnung. Eine Cafeteria liegt prominent im Eingangsbereich hinter der vollverglasten Fassade des Erdgeschosses. Dass sich das gestalterische Engagement auch noch auf den Aussenraum ausweitet und mit der Platzgestaltung ein in Qualität und Attraktivität mit dem Bauwerk vergleichbarer Umraum entsteht, darauf ist noch zu hoffen.

Eher bescheiden

Die Projekte der Stadtverwaltung zur Gestaltung öffentlicher Räume fallen dagegen eher bescheiden aus. Sie reagierte auf die räumliche Entwicklung im Länggassquartier, besserte Spielplätze nach und richtete neue verkehrsberuhigte Zonen ein. Auf der Mittelstrasse entstand ambitioniert eine «Begegnungszone». Völlig unkommunikativ stehen hier jedoch spartanisch drei Sitzbänke nebeneinander aufgereiht, ungemütlich eng entlang der Strassenkante. Nachträglich aufgestellte Blumenkübel auf der Strasse schaffen wenigstens etwas Sicherheitsabstand zum Verkehr.

Die grösste Grünfläche im Quartier - die Grosse Schanze - ist im Sommer vollgestellt mit Strand-Bars, Freilichtkino und ihren Nebenbauten. Flaneure und Erholungssuchende haben hier zwischen Plastikplanen und Bambuszäunen zur Absperrung privater Nutzung leider keinen Platz mehr. Fazit: Die Stadt muss kreative Planungsansätze für Stadtplätze im Bestand entwickeln!

*Anna Minta ist Assistentin am Institut für Kunstgeschichte der Uni Bern.

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