Pritzkerpreis für Shigeru Ban

Der japanische Architekt Shigeru Ban erhielt in Amsterdam höchste Ehren.

Für sein Werk ausgezeichnet: Architekt Shigeru Ban. Foto: Nicola Pitaro

Für sein Werk ausgezeichnet: Architekt Shigeru Ban. Foto: Nicola Pitaro

«Zukünftig würde ich gerne mein Büro verkleinern und weniger Bauprojekte annehmen» – diese Aussage des Tokioter Architekten Shigeru Ban überrascht. Fast alle seiner Kollegen würden sich das Gegenteil für ihre berufliche Zukunft wünschen. Aber die Arbeit im kleinen Massstab hat ihren Charme. Im Beisein der Königin der Niederlande wurde dem ungewöhnlichen japanischen Entwerfer gestern Freitagabend der angesehene Pritzker-Preis für Architektur verliehen, der manchen als «Nobelpreis der Architektur» gilt. Ban ist bereits der siebente Japaner, dessen Werk mit dieser Auszeichnung gewürdigt wird. Der Preis, den die Stiftung der Familie Pritzker aus Chicago, der die Hyatt-Hotel-Kette gehört, zum 36. Mal vergibt, ist mit 100'000 Dollar hoch dotiert.

In der traditionellen japanischen Architektur bestehen Wände aus Papier. Dieses Motiv der Shoji hat Ban wiederentdeckt. Die Verwendung von Recycling–Pappe als Baustoff für Notunterkünfte für Bürgerkriegs- oder Erdbeben-Opfer haben Ban berühmt gemacht. Die Baukunst des Japaners ist nicht nur für ihre Eleganz und Innovationskraft bekannt, sondern für soziales Engagement: Bans Notunterkünfte sind geschickt entworfen, leicht, billig, einfach zu bauen und haben dennoch ästhetischen Wert.

«Architektur soll nicht nur Privilegierten dienen»

Der 1957 in Tokyo geborene Entwerfer hat in Los Angeles und New York Architektur studiert. Sein erstes Werk war eine Kirche aus Papp-Röhren in der japanischen Hafenstadt Kobe, die beim Hanshin-Erdbeben 1995 ihr Gemeindehaus verloren hatte. Ban beweist, dass sozial verantwortlich motivierte Architektur schön sein kann: «Architektur soll nicht nur Privilegierten dienen», sagt der Preisträger, «Baukunst soll mehr sein als der Ausdruck von Geld und Macht.»

In Europa wurde Ban mit dem Japanischen Pavillon auf der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover bekannt. Bisweilen ist der Ausgangspunkt seiner Entwürfe eine einfache Trouvaille wie ein Bauernhut. Vor drei Jahren wurde das Centre Pompidou in Metz nach seinem Entwurf eingeweiht. Die Kunsthalle mit wellenförmigem Dach ist von den traditionellen aus Reisstroh geflochtenen Hüten inspiriert. Beim Tamedia-Gebäude in Zürich hat er Holz als Baumaterial für ein innerstädtisches Bürohaus verwendet. 2'000 Kubikmeter Fichte wurden fast ohne Schrauben, Nägel und Leim verbaut.

Vier der letzten fünf Pritzker-Preise gingen nach Ost-Asien, allein drei davon nach Japan. Ban repräsentiert einen Trend in der Architektur weg von Permanenz und Monument und hin zu kleinen, «leichten» und temporären Gebäuden. Dass die Hyatt-Stiftung zum zweiten Mal in Folge ihren Preis nach Japan vergibt (Toyo Ito war der Preisträger im letzten Jahr), bezeugt die Beliebtheit der fernöstlichen Baukunst unserer Zeit.

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