Pionier der Schweizer Architektur wird 70

Architektur sei seine Medizin, sagte der Tessiner Stararchitekt Mario Botta einmal. Ostermontag feierte er seinen 70. Geburtstag.

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Von Altersmüdigkeit kann beim preisgekrönten und charismatischen Architekten keine Rede sein: Derzeit beschäftigen ihn mehrere Projekte in China. Er arbeitet an einem Campus der Luxun Academy of Fine Arts in Shenyang und einem Museum für die Tsinghua Universität in Peking. In Baden ist ein Thermalbad in Planung und in Mendrisio das Theater der Architektur, das den Campus der Architekturakademie ergänzen soll.

Es sei alles wie immer, «er arbeitet viel und gerne», sagen Bottas Mitarbeiter aus seinem Büro in Mendrisio auf Anfrage. Alle zwei bis drei Monate fliege er für seine Projekte nach Asien. So wird er auch am 1. April, seinem 70. Geburtstag, ein Flugzeug in Richtung China besteigen.

Seine Arbeit ist sein Leben

«Ich arbeite, weil ich nichts anderes kenne. Ich habe nie Ferien gemacht. Mein Beruf ist meine Passion, er macht mich glücklich», sagte Botta der «Berner Zeitung». Wenn er krank sei oder müde, dann helfe ihm nur das Zeichnen. So lange er also weiter arbeite, werde er ewig leben.

Sein Amt als Direktor der Architekturakademie Mendrisio hat Botta noch bis in diesem Sommer inne. Auch danach wird er seine Lehrtätigkeit an der Fakultät weiter ausüben. Botta gehörte 1996 zu den Mitbegründern des Fachbereichs Architektur an der Universität der Italienischen Schweiz.

Der Mann mit der markanten Frisur und der runden Brille ist seit über 30 Jahren einer der populärsten Architekten der Schweiz. Er baut Banken, Museen, Kirchen, Schulen, Bäder, Theater und Einkaufszentren, insgesamt über 100 Entwürfe wurden verwirklicht.

Erste Garde der Schweizer Architekten

Zu seinen prestigeträchtigsten Gebäuden gehören das Museum für Moderne Kunst in San Francisco (1995), die Kathedrale im französischen Evry (1995) oder das Mart-Museum in Rovereto in Italien (2002). Bekannte Schweizer Bauten von Botta sind das Museum Tingely in Basel (1996), die Tschuggen Bergoase in Arosa (2006) oder das umgebaute Centre Dürrenmatt in Neuenburg (2000).

Bottas Stil zeichnet eine streng geometrische, schlichte Formsprache aus. Seine Bauten wirken von aussen manchmal massiv, sind im Innern aber dank dem Spiel von Licht und Schatten lichtdurchflutet.

Trotz seiner grossen Anhängerschaft hat Botta Zeit seines Schaffens auch mit Widerstand und Kritik zu kämpfen. Während die einen ihn als Pionier der Schweizer Architektur sehen, monieren die anderen, er arbeite mit den immer gleichen Formen und Materialien.

Zahllose Preise und Ehrendoktortitel

Botta ist 1943 in Mendrisio zur Welt gekommen. Nach einer Lehre als Hochbauzeichner besuchte er das «Liceo Artistico» in Mailand und studierte zwischen 1964 und 1969 Architektur in Venedig. Schon während seines Studiums lernte Botta den Neuenburger Architekten Le Corbusier sowie den Amerikaner Louis I. Kahn kennen. Beide hatten Einfluss auf Bottas künftigen Stil. Noch im Jahr seines Universitätsabschlusses eröffnete Botta sein eigenes Büro in Lugano. 2011 zogen er und seine Mitarbeiter nach Mendrisio um.

Botta ist Ehrenmitglied in zahlreichen Institutionen, war Gastprofessor in den verschiedensten Architekturfakultäten der Welt und hat über 50 Auszeichnungen und Preise erhalten. Sorgen um die Zukunft seines Büros mache er sich keine, sagte Botta: «Ich habe zwei Kinder, die im Büro arbeiten. Damit bin ich sehr zufrieden. Nicht auszudenken, wenn einer hätte Zahnarzt werden wollen.»

lmm/sda

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