Ins rechte Licht gerückt

Die städtische Weihnachtsbeleuchtung kann mehr sein als nur pure Dekoration.

Feine Lichtstimmung: Die Tannenbäumchen an den Fassaden der Kramgasse harmonieren mit der dezenten Schönheit der Altstadt.

Feine Lichtstimmung: Die Tannenbäumchen an den Fassaden der Kramgasse harmonieren mit der dezenten Schönheit der Altstadt. Bild: Franziska Rothenbühler

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Ankommen in der Stadt Bern zur Weihnachtszeit erfreut unser Gemüt nicht immer gleich. Das hat einerseits mit dem eiligen Schritt der zu dieser Jahreszeit besonders hektischen Mitmenschen zu tun, andererseits mit der wenig inspirierten Weihnachtsbeleuchtung im Berner Hauptbahnhof. Immerwährend gleich unmotiviert hängen die Sternchenpailletten mit den roten Kugeln unter den Leuchten. Die Dekoration vermittelt eher billigen Konsumrausch als zauberhafte Vorweihnachtsstimmung.

Beim Hinaustreten in die Altstadt trumpft dann das Warenhaus Loeb mit viel Glitzer auf. Kinderaugen strahlen ob der kleinen Tannenbäumchen und Geschenke, die an der wohl bekanntesten Berner Ecke ins glitzernde Licht gerückt werden. Gleich darauf wird der Zauber schon wieder auf den Boden des Vorweihnachtsstresses zurückgeholt: Die hängenden kubischen Leuchtgebilde in den Hauptgassen reihen sich optisch eher in die hell beleuchteten Werbeschriften und Schaufenster ein, als dass sie uns weihnachtliche Besinnlichkeit vermitteln. Das grelle Licht weckt auf und erinnert an die vielen Geschenke, die noch besorgt werden müssen.

Endlich aber, unterhalb des Zytgloggeturms, huscht alljährlich beim Anblick der bescheidenen, aber hübschen Tannenbäumchen an den Fassaden ein zufriedenes Lächeln übers Gesicht. Die Bäumchen in der Kramgasse machen mit der feinen Lichtstimmung die Hektik des Weihnachtstrubels vergessen und harmonieren mit der dezenten Schönheit der Berner Altstadt.

Räumliches Erlebnis

Wenn wir nun einen Blick über die Hauptstadt hinauswagen, sehen wir, was jenseits des herzigen Tannenbäumchens noch möglich wäre. Beim Durchschreiten der Zürcher Bahnhofstrasse beginnt das Architektenherz höherzuschlagen. Der unendlich wirkende Sternenhimmel beschert dem Strassenraum einen räumlichen Abschluss und evoziert einen Zauber zwischen den Fassaden. Die Beleuchtung sorgt nicht nur für weihnachtliches Glitzern, sondern schafft auch ein räumliches Erlebnis; die sonst nach oben offene Strasse wird durch die Inszenierung mit Licht zum unendlich wirkenden und dennoch gefassten Raum.

Mit dieser architektonischen und räumlichen Betrachtungsweise ist die Weihnachtsbeleuchtung nicht nur pure Dekoration. Sie bringt Licht in die dunkle Winterzeit, kann aber gleichzeitig auch raumbildendes Element sein und unsere Wahrnehmung des Stadtraumes beeinflussen.

Es muss kein Sternenhimmel sein. Gerade in der Berner Altstadt könnten die Lauben und der einzigartige Strassenraum in Szene gesetzt und auf eine neue, weihnachtliche Weise erlebbar gemacht werden. Ausgewählte Stadtbauelemente könnten ins Licht gerückt werden, andere, die in der hellen Jahreszeit genug Aufmerksamkeit erhaschen, würden dagegen für einmal in den dunkleren Hintergrund rücken.

Warum kein Wettbewerb?

In unseren Gedanken entwickeln sich bereits erste Ideen und Bilder des weihnachtlichen Lichtes in der Stadt Bern – und da gibt es bestimmt noch zahlreiche kreative Köpfe, die sich darüber freuen würden, ihre Ideen einzubringen. Vielleicht könnte ein gestalterischer Wettbewerb künftig im Dezember einen ganz neuen Weihnachtszauber in die Hauptstadt bringen? Oder vorerst einfach einmal in den Hauptbahnhof? Bis dahin wünschen wir eine besinnliche Weihnachtszeit und schreiben auf unseren Wunschzettel ans Christkind: «zauberhafte Weihnachtsbeleuchtung».

Sonja Huber und Bettina Gubler haben an der ETH Lausanne Architektur studiert und arbeiten in der Lehre, Wissenschaft und Praxis. Sie sind Mitglieder des «Baustelle»- Kolumnistenteams. (Der Bund)

Erstellt: 23.12.2017, 11:20 Uhr

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