Abgang des Schauspielchefs wirft Wellen in der Politik

Es brauche eine Strukturdiskussion bei Konzert Theater Bern, sagt CVP-Stadträtin Milena Daphinoff. Sie hat drei Vorstösse im Parlament eingereicht.

v.r Cihan Inan, Stephan Maerki, Mario Venzago, Estefania Miranda, Xavier Zuber.

v.r Cihan Inan, Stephan Maerki, Mario Venzago, Estefania Miranda, Xavier Zuber.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Sophie Reinhardt@sophiereinhardt

«Es ist ein bisschen wie bei einem guten Freund, der trotz Krankheitssymptomen nicht zum Arzt geht.» So spricht Milena Daphinoff von Konzert Theater Bern (KTB). Und so wünscht die CVP-Stadträtin dem Kulturhaus dringend eine Arztvisite, bei der dessen Zustand zu überprüfen sei. Es sei augenfällig, dass organisatorische und auch personelle Mängel bei KTB herrschten, die namentlich die Sparte Schauspiel in Mitleidenschaft zögen, schreibt Daphinoff in ihrer Anfrage an den Gemeinderat. Sie reagiert gleich mit drei politischen Vorstössen auf die Nachricht, dass Schauspielchef Cihan Inan seinen Vertrag nicht verlängern will. Er habe nämlich, so die Meldung von KTB vom Montag, die Verlängerung an eine unerfüllbare «Bedingung» geknüpft. Damit verlässt Inan das Haus im Sommer 2019 nach zwei Jahren schon wieder.

«Machtballung beim Intendanten»

Als Subventionsgeber habe die Bevölkerung der Stadt ein Interesse daran, dass der Betrieb geordnet laufe, sagt Daphinoff. In ihrer Anfrage will sie deshalb vom Gemeinderat wissen, wie die Stadt in eine nötige Strukturdiskussion eingebunden werde könne und weshalb KTB so spärlich über die erneuten personellen Vorfälle informiert habe. Daphinoff spielt damit auf die Affäre um Inans Vorgängerin Stephanie Gräve an.

Es sei nicht Aufgabe des Stadtrats, die genauen Anpassungen der Struktur vorzugeben, erklärt Milena Daphinoff. Mit ihrem Vorstoss möchte sie den Gemeinderat aber auffordern, beim Stiftungsrat von KTB vorstellig zu werden und die Verlängerung des Subventionsvertrags abhängig zu machen von einer Überprüfung und einer Anpassung der Organisation.

Die Motionärin fordert weiter, dass diese Reform vor der Ausschreibung der Nachfolge Stephan Märkis erfolge. Der Vertrag des Intendanten läuft nur noch bis 2021, seine Nachfolge wird laut Stiftungsrat zurzeit gesucht. «Es ist für die Kontinuität des Betriebs von höchster Bedeutung, dass das künftige Modell für die Sparte Schauspiel nicht erst im Zuge einer neuen Anstellung und womöglich erneut geprägt von Wünschen einer Person, sondern aufgrund einer umfassenden Evaluation für das Haus erstellt wird», sagt Daphinoff. Die Stadträtin, die sich als «leidenschaftliche Theaterbesucherin» bezeichnet, sieht vier Missstände bei KTB, die zum «Trauerspiel» geführt hätten. Einerseits sei das die «Machtballung beim Intendanten», anderseits seien es anhaltende personelle Schwierigkeiten, «suggestive Kommunikation» und mangelnde Transparenz.

In einer letzten Anfrage will Daphinoff wissen, was der Gemeinderat davon halte, dass nach Inans Abgang nun wieder Intendant Märki interimistisch die die Spartenleitung übernehme. Und das, obwohl «doch in Märkis Saison (2016/2017) nach Gräves Ausscheiden das Schauspiel bis zu 5000 Zuschauer gegenüber Gräves Spielzeit (2015/2016) verloren hatte und rund die Hälfte des Ensembles das Haus verliess, ebenso die gesamte Dramaturgie».

Gräve übernimmt in Bregenz

Auch Stephanie Gräve blieb nicht lange am Haus. 2016 wurde sie als Schauspieldirektorin nach einer halben Saison per sofort freigestellt – wegen «persönlicher Inkompatibilität» mit dem Intendanten, wie es damals hiess. Gräve ist ab diesem Sommer als Intendantin des Vorarlberger Landestheaters in Bregenz tätig.

Nachtrag zum Artikel (10. Mai 2018)
Konzert Theater Bern legt Wert auf folgende Erklärung: «Die Differenz von rund 5000 Zuschauerinnen und Zuschauern im Schauspiel zwischen der Spielzeit 2015/2016 und der Spielzeit 2016/2017 erklärt sich folgendermassen: Beide Spielzeiten waren vom Umbau des grossen Hauses betroffen. Während in der Saison 2015/2016 zwei Schauspielproduktionen im grossen Haus und eine in der Ersatzspielstätte Kubus realisiert werden konnten, gab es 2016/2017 im grossen Haus nur zwei Schauspielproduktionen (d.h. eine weniger als in der Saison davor) und damit ganze 12 Aufführungen weniger. Für die Saison 2015/2016 bedeutet das 47 Schauspiel-Aufführungen im grossen Haus/Kubus, in der Saison 2016/2017 nur deren 35.»

Der Bund

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