Von der Erde zum stillen Leuchten der Farben

Der Könizer Künstler und Kunstförderer Walter Loosli ist 83-jährig gestorben.

Ein Suchender, ein Staunender: Walter Loosli in seinem Atelier in Köniz.

Ein Suchender, ein Staunender: Walter Loosli in seinem Atelier in Köniz. Bild: zvg

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Mit seinem Tod gilt es Abschied zu ­nehmen von einem Schaffenden, einem Mitmenschen, einem Freund. Noch im Frühjahr hat Walter Loosli im Rüttihubel­bad sein Werk vorgelegt, seinen künstlerischen Weg und damit sein Denken und sein Tun aufgezeigt. Bis zuletzt hat er in seinem Haus an der Stapfenstrasse in ­Köniz gewirkt, wo seine Frau Rose immer an seiner Seite war. Sie half, wenn es zu helfen galt, trug mit an Schwerem. Oft durfte man ihr gemeinsames Freuen erleben. Das Haus war Herd, Heim und Atelier und wuchs mit der Familie. Und als das Sterben sich ankündigte, kamen die Söhne Thomas und Simon nach Hause, dem Vater beim Aufräumen, beim Abschied vom geliebten Atelier zu helfen.

Geboren wurde er im Jura. Köniz war Wirkungsstätte, zuerst für den Lehrer und Heilpädagogen, dann für den frei­beruflich Kunstschaffenden. Mit seiner Treue zum Dorf, der Präsenz durch sein Schaffen, vor allem aber mit seinem kulturellen Engagement ist er längst zum ­Könizer geworden. Viele seiner grossen Werke sind allerdings ausgewandert. Sie sind in Kirchen, Kirchgemeindehäusern, Spitälern, Heimen und anderen öffentlichen Bauten. Diese Auftragsarbeiten ­haben eine Gemeinsamkeit, ihre Aufgabe in der Gemeinschaft, der Gemeinde. Aus seinem Atelierfenster sah er das Dorf. Ihm schenkte er mit den Könizer Kunstwochen und zahlreichen weiteren Veranstaltungen und Ausstellungen Momente der Begegnung und der Besinnung, Momente erlebter Kunst aller Sparten.

Von Köniz bis in den Kongo

Diese Vermittlertätigkeit gilt es noch vor der Würdigung von Walter Looslis Lebenswerk zu erwähnen, denn sie gibt uns eine Ahnung vom Dienst an einem grossen Ganzen, das seiner Arbeit zu Grunde liegt. Und Rose Loosli lebte diesen Dienst mit, in dem Vision und Realität, Willenskraft und Demut sich die Waage hielten. Das Schaffen strahlte über die Könizer und Schweizer Grenzen hinaus bis in den Kongo. Immer ist jedoch das Bewusstsein präsent, dass ­alles im Jura, in La Chaux-d’Abel begonnen hat, in der Täufergemeinde und im Schulhaus der Gesamtschule, wo Walter Looslis Vater unterrichtete. Weite und Nähe gehören zusammen.

Anders gesehen steht die Erde am ­Anfang, nicht allein die grosse runde, auf der wir leben, sondern jene vor unseren Füssen, jene, auf der wir stehen und zu der wir uns hinabbeugen, um sie fassen und formen zu können. Mit Tonerde hat Walter Loosli angefangen, mit dem Urmaterial allen Gestaltens. Schon in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts hat er mächtige Steine aus Schamotteton geformt. Bachkiesel, von Wasser und Wetter geschliffen, waren seine Vorbilder, wie überhaupt die Nähe zur Natur in den Werken Walter Looslis immer spürbar bleibt. Er ringt mit den Elementen, aber da geht es um keine Gegnerschaft, kein Überwinden, Aneignen oder gar Erobern, sondern um das Zusammenführen von Gegensätzen, ein Verschmelzen von Form und Gehalt, um ein Befruchten und ein Streben nach neuer Ganzheit. Und immer sucht Walter Loosli nach den Spuren des Lebens. Die Schamottekiesel überzieht er mit Gravuren, die man sogleich zu lesen versucht. Sind es Labyrinthe aus gotischen Kathedralen, sind es Runen oder gar Felszeichnungen aus Valcamonica.

Der Lehrer und Heilpädagoge Walter Loosli blieb auch lebenslang der Lernende, der Neugierige und Experimentierende. Er bildete sich in allen Techniken aus, war Zeichner, Druckgrafiker, Maler, Plastiker. Er arbeitete an Fassaden, mit alten Orgelpfeifen und Pult­deckeln und war so mit Holz ebenso vertraut wie mit Zementen und Metallen. Unermüdlich suchte er den Weg von der Idee zu gelungenen, meisterlichen Werken. 2012 erhält er als Gewinner des mit 60?000 Franken dotierten Kulturpreises der Bürgi-Willert-Stiftung die Möglichkeit, als arrivierter Künstler Nachwuchs nach seiner Wahl zu fördern.

Der Mensch als Teil eines Ganzen

Das Schaffen Walter Looslis wird gekrönt von seiner Glasmalerei. Zum Archaischen kommt das farbig Leuchtende, zum Schatten das Licht, zum Gleichnis das Blühen der Lilien. Kulturen überlagern sich, Sonnenrad und Kreuz. Setzt man sich mit dem immensen Werk auseinander, so wird sicht- und erlebbar, was stetes Thema ist und alle betrifft: der Mensch als Schauender und Staunender, als kleiner Teil eines Ganzen, einer reichen Schöpfung. Dem Künstler gelingt es, die Elemente und die Dinge zum Tanzen zu bewegen und den Schatten zum Leuchten. (Der Bund)

Erstellt: 02.12.2015, 10:46 Uhr

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