Spinnsch?

Ds Spinneli hanget itz über Chopfhöchi. Mit eim Scheichli schynts z winke.

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Steue mys Velo vor em Buechlade ab. Sorgfäutig, wüu zwüsche Hus u Strass es Büscheli Gloggeblüemli no mau en Alouf nimmt mit Blüeie, wis das Jahr einigi Pflanze gmacht hei. Won i mi itz umchehre u mit em Komerechorb Richtig Märit wott, hanget da sozsäge öpper vor mer. Genau uf Ougehöchi.

E Spinnele am ne Fade. «Ja, isch ja guet», dänken i. «Späte Autwybersummer, scho klar. Grad söfu dütlech hättisch itz o nid müesse wärde!» Aber das chlyne Zabliwäse lat mi la innehaute. S chunnt eifach vo oben abe am ne u länge Sydefade. Aber vo wo? Obedra isch eigentlech nüt. Höch obe ds Husdach. «Oder hesch a re Wuuke addogget? Häb eifach Sorg. Wott de luege, wo de bisch, wenn i wider zrügg chume.»

Aber itz, uf em Wäg dür d Märitständ, gits mer scho z dänke. I finge haut Spinnele eifach witzig u ha höchschti Bewunderig für ihri Wärk. Bsungers im Herbscht trage si doch wunderbar künschtlerisch zum Autag by. Mit ihrne filgrane Netz, mängisch a de glung­nigsch­te Orte. Da isch «ds Netz» flach dergäge. Wett ja itz nid wider afa mit myre Abneigig dergäge. Aber guet, we me so list, dass di gröschte IT-Cracks ihri Ching teilwys extrem lang vo däm ganze Züg färnhaute, mues me haut scho chly schmunzle, gäuet. I dene ihrne Netz söue haut o lieber di angere weder di eigete zable. Aber: Isch dä Märit schön! Aues amächelig drapiert. Ds meischte us der eigete Produktion. Früsch, fründlech, flexibu. Fasch ke Verpackigsmateriau. U natürlech trifft me geng Lüt. Da grüesse, dert winke, hie no chly schnure, dert überlege, wi cheibs itz ömu o die heiss, aber glych salü säge. Das isch o Netz. Da entsteit mängisch viu drus, u wes nume ne guete Luun isch. De no nes früsches Brot oder e Züpfe, u wüu der Luun äbe so guet isch, no nes Güezi. Chly Späck um ds Chnoche­gsteu cha nid schade. Was macht eigentlech e Spinnele im Winter? Was me ömu o aues nid weiss! «Da isch de ds Netz wider rächt, gäu», macht ds innere Tüfeli. Ja guet. Wär ja itz vilech o chly komisch, wenn i der Nächscht würd aquatsche u frage.

Aber vilech gubs luschtegi Gespräch? Vilech würd sech o der eint oder anger diskret a Chopf länge, grossi Ouge mache u hä? Me sötts usprobiere. Gub Stimmig. Mir si doch afe viu z brav, suure ume wi sturmi Wäschpi, aber steue di wichtige Frage nid.

Itz no hurti go Wule choufe. Bim Lisme cha me über aues Tiefschürfende guet nachedänke. Aber im Lade: Herrschaft. Ds wiehnächtleche Gschütz scho vou ufgfahre. S wird der fasch schlächt ab au dene Parfum vo Rumbedufter u Cherze. Derby sött me gwappnet sy, wos doch di erschte Wiehnachtsgüezi scho Änds Ougschte ggäh het. Aber es trifft eim glych geng wider vou – vilech sött me glych scho im Januar afa desensibilisiere? Churz­um wider use zum saisongrächte Gmües. U zu de Gedanke a ds Spinneli. I hoffe haut, es pfüseli de irgendwo im ne Eggeli u me gsäch sech wider. Wes wider irgendwo am ne länge Fade derhärtreit wird. Mues scho gestah, dass d Netz vo dyne Kumpels de hie und da mym Putzlumpe zum Opfer faue. Müesst se haut diskret platziere, de tuen i, wi wenn se nid würd gseh, u mir chöi wunderbar unger eim Dach läbe. I re Spinner-WG.

U won i itz zum Velo zrüggchume, luegen i, wo der Uslöser zu dere Kolumne bliben isch. Ds Spinneli hanget itz über Chopfhöchi u bewegt sech langsam sym Fade nah obsi. Es täselet ganz süferli u verwylet e Momänt. Mit eim Scheichli schynts z winke. Wüsche mer Haar us em Gsicht, damit me nid merkt, win ihm zrüggwinke, u überlege mer, was es äch lutlos chönnt rüefe. Vilech: «Häb Sorg, hangisch o nume am ne Fädeli.» Oder: «We mir der Luft mys Netz verheit, machen i es nöis. We aber Öies dür auergattig Windfahne gfaked wird, was de?» Oder: «Hängst du noch im Netz, oder spinnst du schon?»

DerBund.ch/Newsnet

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