Raritäten und Weltpremieren bei Konzert Theater Bern

Kontraste in der Oper, Premierenflut im Schauspiel, Popstars beim Orchester: Das ist der neue Spielplan von Konzert Theater Bern.

Kehrt auf die KTB-Bühne zurück: Stephan Märkis Inszenierung von Bizets «Carmen».

Kehrt auf die KTB-Bühne zurück: Stephan Märkis Inszenierung von Bizets «Carmen».

(Bild: Tanja Dorendorf)

Lena Rittmeyer@LaRittmeyer
Regula Fuchs

Am Freitag hat Konzert Theater Bern den Spielplan für die Saison 2019/2020 vorgestellt. Das sind geplanten Vorstellungen aus den vier Sparten:

Musiktheater: Zwei Opernraritäten

Sechs Opernpremieren, darunter zwei Raritäten, eine Wiederaufnahme, ein Chorkonzert und Liederabende: Im Musiktheater wartet eine Fülle von musikalischen Kontrasten. Karol Szymanowskis Oper «Krol Roger», ein Werk, das 1926 in Warschau uraufgeführt wurde, gibts in der Regie von Ludger Engels zu entdecken. Ausserdem «Intolleranza 1960»: Luigi Nonos erstes Werk für die Opernbühne ist ein flammender Protest gegen Intoleranz und die Verletzung der Menschenwürde. Für die Aufführung reist der südafrikanische Grace Notes Choir nach Bern. Mit Smetanas «Die verkaufte Braut» kehrt Regisseurin Adriana Altaras ans KTB zurück. Mario Venzago als Experte für den transparenten französischen Klang wird Debussys «Pelléas et Mélisande» dirigieren. Alle Register musikalischer Komik zieht Rossini in «Il Barbiere di Siviglia» (Regie: Cordula Däuper). Wer Stephan Märkis Inszenierung von Bizets «Carmen» verpasst hat, kann das Versäumte bei der Wiederaufnahme nachholen. Puccinis «Madama Butterfly» kommt als Neuinszenierung (Regie Nigel Lowery) auf die Bühne.

Schauspiel: Viele Weltpremieren

Im Schauspiel sind mit neun Uraufführungen so viele geplant wie kaum je – darunter Arno Camenischs «Der letzte Schnee» in der Regie von Jonas Knecht, ein Fussballstück von Christoph Frick oder «Alles über Heather» vom US-Autor Matthew Weiner, das Kieran Joel auf die Bühne bringt.

Eine weitere Literatur­adaption steht mit Dostojewskis «Schuld und Sühne» an, inszeniert von Henri Hüster. Den Nachwuchs vertreten der Berner Jonas Junker, der ein Stück von Katja Brunner zeigt, sowie Sophia Aurich, die sich Orestes widmet. Elmar Goerden führt seine Odysseus-Trilogie zu Ende, und ­Cihan Inan bringt mit «Der grosse Diktator» einen Filmklassiker auf die Bühne. Aus der freien Szene wurde Marie Bues für den Theatertext von Julia Haenni verpflichtet, sowie Meret Matter, die beim Weihnachtsmärchen von Franz Hohler Regie führt. Neben Klassikern von Miller und Strindberg gelangt ein Auftragswerk von Lukas Linder über Kim Jong-uns Jugend in Bern zur Aufführung. Die Performancegruppe Showcase Beat Le Mot zeigt eine Art Waldtheater, und zum ersten Mal findet ein Laientheaterfestival statt.

BSO: Die grosse Heimkehr

Zwei Jahre sind es her, seit das Berner Symphonieorchester wegen des Casino-Umbaus seine Konzerttätigkeit ins Exil verlegen musste. Nun folgt die Heimkehr ins Stammhaus. Die Anzahl der Symphoniekonzerte wurde auf zwölf reduziert. Insgesamt gibt es dank zahlreichen Extrakonzerten aber nicht weniger Programme. Elf Konzerte wird Chefdirigent Mario Venzago dirigieren. Unter den Solisten und Gästen fallen grosse Namen auf wie Cellistin Sol Gabetta (sie spielt Elgars e-Moll-Cellokonzert), der Geiger Christian Tetzlaff oder die Pianistin Lise de la Salle. Der Weltklasse-Perkussionist Martin Grubinger erhält im Eröffnungskonzert eine Carte blanche, Vilde Frang gibt mit Schostakowitschs 1. Violinkonzert ihr Debüt beim BSO, Altmeister Eliahu Inbal dirigiert Mahlers «Lied von der Erde». Als Schwerpunkt der Saison wird Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag gefeiert: Das BSO führt alle neun Symphonien auf, sieben davon innert drei Tagen. Neben dem traditionellen Openair-Konzert dürfte auch die Koproduktion des BSO mit dem Pop-Duo Lo&Leduc viel Publikum anziehen.

Tanz: Schwanensee 2.0

Estefania Miranda, Chefin der Tanz­compagnie Konzert Theater Bern, eröffnet die Saison mit drei Variationen über «Schwanensee», das wohl meistgespielte Handlungsballett überhaupt. «Swan» ist ein dreiteiliger Abend, für den Miranda sowie die Choreografen Jo StrØmgren und Ihsan Rustem neue Perspektiven auf den Klassiker entwickeln – zu Musik von Tschaikowsky, Arvo Pärt und Camille Saint-Saëns.

Ebenfalls einen Klassiker, allerdings der Dramenliteratur, nimmt sich der Choreograf ­Felix Landerer vor. Er adaptiert Georg Büchners Lustspiel «Leonce und Lena», die Geschichte einer arrangierten Hochzeit, deren Protagonisten vor der geplanten Eheschliessung fliehen – um sich auf der Flucht ineinander zu verlieben. Um ein Paar geht es auch in der dritten ­Uraufführung der Saison: Es wird ein Doppelabend zum Künstlergespann Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely,choreografiert vom Duo Guy Nader und Maria Campos sowie vom Gewinner des Berner Tanzpreises 2019. Im Rahmen des Tanzfestivals Steps gastiert das Australian Dance Theatre in Bern.

Hier geht es zum Interview mit Schauspielleiter Cihan Inan

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt