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Der FC Bayern München bekommt ein neues Logo – und jede Menge Hohn. Das Terrain der Markenpflege ist eben schwierig.

Minimal verändert, da bereits maximal gut? Das neue Logo (rechts) des FC Bayern München hat sich fast unmerklich verändert.

Minimal verändert, da bereits maximal gut? Das neue Logo (rechts) des FC Bayern München hat sich fast unmerklich verändert. Bild: Montage FC Bayern Homepage / FC Bayern Facebook

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Mal eben die Lupe zur Hand genommen und nachgezählt. Eins, zwei, drei ... acht. Klarer Fall: Das alte Logo des berühmten Fussballvereins (im Bild links), das im Netz derzeit für Debatten sorgt, prägt noch immer die offizielle Homepage des FC Bayern München. Bis zur Stunde. Bei Twitter und Facebook findet man dagegen (rechts) in der Mitte der Rautenreihen, die von links unten nach rechts oben angeordnet sind, nur noch sieben Exemplare der bajuwarisch anmutenden Rhomben im himmlischen Weiss-Blau. Das ist ein Hinweis auf das neue Bayern-Logo.

Früher acht, jetzt sieben. Etwas Schwund ist halt immer. Der Gestalter Daniel Nyari präsentierte nun per Tweet die kühnen Neuerungen des überarbeiteten Bayern-Emblems, das womöglich zu den populärsten Signaturen weltweit zählt. Die Logo-Revolution also: Erstens wurde die Anzahl der nun auch um exakt fünf Grad veränderten Rauten verringert. Zweitens wurde die Vereinsfarbe Rot sozusagen aufgewärmt – indem der magentaartige, kalte Mischanteil am Rot des breiten Innenrings um eine Nuance reduziert wurde, während das Blau des schmäleren Aussenrings um einen Tick intensiviert erscheint. Ungewiss ist indessen, ob in Zukunft aus der Südkurve zu hören ist: «Auf geht's, ihr jetzt noch röteren Roten ... !» Drittens wurden die Proportionen der Buchstaben M (Abstriche zur Mitte hin: kürzer) und C (länger) verändert – was kaum auffällt.

Als Gründe für die Überarbeitung gab Nyari an, dass Bayern sich als weltweite Marke weiterentwickelt habe. Am alten Auftritt habe man sich überdies sattgesehen. Interessanterweise verschwand Nyaris denkwürdiges Posting schnell wieder aus dem Netz. Was man vom Hohn auf das neue Logo, das wie eine nur von Kunstexperten zu dechiffrierende Fälschung des alten Logos, aber keineswegs wie eine Novität erscheint, nicht sagen kann. Der britische Sportmoderator Desmond Kelly ätzte in böser Ironie: «Ich kann nicht glauben, dass die Bayern ihr Logo dermassen verändert haben. Mit diesem verblüffenden Re-Design zerstören sie ihre Tradition.»

Mutlos oder heimatlos – welchen Weg man auch einschlägt, es ist der falsche

Möglicherweise haben die Bayern aber auch nur von Juve gelernt. Anfang des Jahres präsentierten die Bosse von Juventus Turin ein tatsächlich radikales Facelifting. Leider erinnerte das neue Logo Kritiker an eine «Marco-Reus-Frisur», was eher gegen das Logo als gegen die Frisur spricht. Die Fans des italienischen Fussballvereins waren jedenfalls verstört.

Das Terrain der Markenpflege ist eben schwierig: Bei Juve tat man viel, also zu viel; bei den Bayern tat man wenig, also zu wenig. So ist das nun mal mit den Marken. Verändert man sie nicht oder wenig, gilt man als mutlos (statt wie erhofft als traditionsbewusst) – verändert man sie deutlich, gilt man als heimatlos (statt als mutig). Wie man es auch macht, man macht es falsch. Das ist dem Logo als Botschafter einer Marke gerade in ikonischen, bildmächtigen Zeiten quasi eingeschrieben. Für Firmensignets, Marken, Logos und Embleme ist offenbar auch richtig, was Giuseppe Tomasi di Lampedusa seine Leoparden-Buchfigur Tancredi sagen lässt: «Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, muss sich alles ändern.» Man nennt das auch Evolution.

Gäbe es sie nicht, hätte Apple nicht den Apfel, sondern Isaac Newton – unterm Apfelbaum sitzend. Das war das Apple-Logo 1976. Und die Bayern hätten beispielsweise noch das Wappen aus dem Jahr 1901: Bei dem hatte man die Buchstaben M, F und B in ein grosses C gequetscht, das wie ein angebissener Knödel aussah. Übrigens: Wenn sich das Bayern-Logo nur minimal verändert hat, kann das durchaus auch bedeuten, dass es schon maximal gut ist. (Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 21.06.2017, 13:11 Uhr

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