«Auf der Bühne wird man nichts merken»

Am Freitag hat Konzert Theater Bern die nächste Spielzeit präsentiert. Nach dem Entscheid des Schauspielchefs Cihan Inan, das Haus zu verlassen, hätte der Zeitpunkt kaum ungünstiger sein können.

Man blickt nach vorn: Xavier Zuber, Estefania Miranda, Mario Venzago, Stephan Märki, Cihan Inan und Kevin John Edusei (v. l. n. r.).

Man blickt nach vorn: Xavier Zuber, Estefania Miranda, Mario Venzago, Stephan Märki, Cihan Inan und Kevin John Edusei (v. l. n. r.). Bild: Franziska Rothenbühler

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Viele unbeantwortete Fragen stehen im Raum, als Stephan Märki, Intendant von Konzert Theater Bern (KTB), die Medienschaffenden im Foyer des Stadttheaters begrüsst. Der Zeitpunkt für die Präsentation der neuen Spielzeit 2018/19 könnte kaum ungünstiger sein: Am Montag wurde bekannt, dass Cihan Inan seinen auf zwei Jahre befristeten Vertrag nicht über 2019 hinaus verlängern wird. Offiziell bestätigt wurde seitens KTB seither nur, Inan habe seinen Verbleib an die Bedingung geknüpft, dass eine Person aus dem Team entlassen würde – worauf aber der Stiftungsrat nicht eingehen konnte oder wollte.

Das brennende Thema ist an dieser Medienkonferenz also ein anderes als die neue Spielzeit; Worte über den internen Konflikt, der Cihan Inan zum Gehen bewogen hat, verliert aber auch jetzt niemand. Auch Inan selbst nicht, der auf die «Organisationsstrukturen» bei KTB angesprochen wird, die er in einer Stellungnahme bemängelt hat. Die Signale sind deutlich: Nun soll es bitte nur um die bevorstehende Saison gehen.

Die weitere Zusammenarbeit innerhalb des Leitungsteams hält Stephan Märki «auf professionelle Art und Weise» für möglich. «Wir haben auch in der aktuellen Spielzeit in dieser Konstellation zusammengearbeitet, und auf der Bühne hat man nichts von einem Konflikt gemerkt. So wird es auch künftig sein.»

Mittlerweile ist klar, dass es sich bei der Person, deren Entlassung Inan angeblich gefordert hat, um Sophie-Thérèse Krempl handelt. Der Spielzeitpräsentation ist die Leiterin der Kommunikationsabteilung ferngeblieben. Auf die Gerüchte über eine angebliche Liaison zwischen ihr und Stephan Märki will Letzterer nicht eingehen: «Solche Gerüchte und Spekulationen lenken nur vom Wesentlichen ab und sind unfair gegenüber meiner Mannschaft, die sich tagtäglich für ein spannendes und kulturell hochstehendes Programm einsetzt.»

Edusei verlängert nicht

Personelle Neuigkeiten gibt es auch in der Sparte Musiktheater: Kevin John Edusei wird seinen Vertrag als Chefdirigent ebenfalls nicht über 2019 hinaus verlängern – aus familiären Gründen. Der 41-jährige Deutsche, der auch Chef der Münchner Symphoniker ist, möchte nicht mehr pendeln. Sein Abgang wird für das Berner Opernpublikum ein herber Verlust. Denn alle Produktionen, die der charismatische Dirigent am Konzert Theater Bern in die Hände nahm – von «Salome», «Ariadne auf Naxos» bis «Peter Grimes» –, vermochten zu begeistern.

Alle Infos zur neuen Spielzeit unter www.konzerttheaterbern.ch (Der Bund)

Erstellt: 04.05.2018, 18:30 Uhr

Auch in der Region

Von den fünfzehn Sinfoniekonzerten, die das Berner Symphonieorchester kommende Saison präsentiert, werden acht von Chefdirigent Mario Venzago geleitet. Als Artiste étoile spielt der Oboist François Leleux Michael Jarrells Oboenkonzert als Schweizer Erstaufführung. Diese Saison finden die Konzerte noch einmal «im Exil» statt. Danach geht es zurück ins sanierte Kultur-Casino. Auf eine Auslandtournee wird verzichtet, dafür will das BSO auch vermehrt in der Region konzertieren. Das Galakonzert wird vom ehemaligen BSO-Chefdirigenten Dmitrij Kitajenko gestaltet. Zusammen mit Rudolf Buchbinder am Flügel. Eine Sternstunde kündet sich auch im 13. Sinfoniekonzert an, wenn das Berner Symphonieorchester und der Pianist Andras Schiff dem Oboisten und Komponisten Heinz Holliger huldigen, der im Sommer seinen 80. Geburtstag feiert. (mks)

Paul Klee tanzt

Einen Schwerpunkt im Programm der Tanzcompagnie Konzert Theater Bern ist der zweiteilige Tanzabend «Vier Jahreszeiten», eine Uraufführung von
Estefania Miranda. Zum musikalischen Zyklus «Vivaldi Recomposed» von Max Richter thematisiert die Berner Tanzdirektorin das Verhältnis zwischen Mensch und Natur. In einem bedrohlichen Szenario zeigt sie auf, was passiert, wenn der Mensch versucht, die Natur auszubeuten. Im zweiten Teil entwickelt sie zur Musik von David Lang und dem «Hohelied» aus dem Alten Testament einen utopischen
Gegenentwurf. «Kontraste», ein Stück der
israelischen Choreografin Sharon Eyal, wird als Schweizer Erstaufführung gezeigt. Viele wird freuen, dass es ein Wiedersehen mit Jungchoreograf Etienne Béchard gibt, der sich für einen Tanzabend von Paul Klee und dessen Werk inspirieren lässt. (mks)

Grosse Literaten

Musil, Tolstoi, Lüscher: Im Schauspiel setzt man auf literarische Stoffe. Wieder stehen sieben Uraufführungen an; als Klassiker ist Shakespeares «Titus Andronicus» geplant. Auch die Hausregisseure Claudia Meyer und Johannes Lepper zeigen Werke von grossen Autoren: «Das Missverständnis» von Camus bzw. Harold Pinters «Mondlicht». Erneut ist mit «Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz» eine Filmadaption programmiert. Verpflichtet hat man auch den Regienachwuchs, etwa Sophia Aurich oder Henri Hüster für Robert Walsers «Felix-Szenen». Die Zusammenarbeit mit der lokalen
Kulturszene wird fortgeführt: Ariane von Graffenried und Martin Bieri schreiben das Weihnachtsmärchen; Jürg Halter plant ein Singspiel. Zur Aufführung gelangt weiter ein Stück von Anna Papst und ein Projekt der Gruppe Vorort. Neue Hausautorin wird Julia Haenni. (lri)

Oper für Roboter

Zur Saisoneröffnung bringt das Musiktheater «Cosi fan tutte» auf die Bühne. Mozarts Opernklassiker wird von
Kevin John Edusei dirigiert. Für Puccinis «La Bohème» hat Konzert- und Operndirektor Xavier Zuber den südafrikanischen Regisseur Matthew Wild engagieren können. Neben Mozart und Puccini gibt es aber auch selten gespielte Werke wie «Fierabras» von Franz Schubert oder «Lotario» von Georg Friedrich Händel. Intendant Stephan Märki wird sich in Wagners «Tristan und Isolde» als Regisseur präsentieren. Doch auch ganz neue Klänge gibt es kennen zu lernen, so unter anderem «Humanoid»: Konzert Theater Bern hat das Werk beim holländischen Komponisten Leonard Evers in Auftrag gegeben. Die flirrende Fantasy-Oper für Kammerensemble, Vokalsolisten und Roboter ist auch für ein junges Publikum gedacht. (mks)

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