Aktionskünstler im Wartemodus

Am frühen Freitagabend begann die Aktion «Fremdbetreuung» im Rahmen des Kunstprojektes Transform beim Bollwerk. Die Öffentlichkeit blieb noch aus.

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Die Initianten der Aktion «Fremdbetreuung» üben sich in Geduld. «Bisher ist noch niemand vorbeigekommen, der am Projekt teilnehmen möchte», sagt Mitorganisator San Keller, der wartend auf einem Stuhl beim Eingang sitzt. Seine Eltern und Franz Krähenbühl von Transform leisten dem Kunstschaffenden beim Ausharren Gesellschaft.

In sauberer Anordnung reihen sich selbst gebastelte Filzfinken an die Wand. Auf einem Stapel in der Ecke sind Matratzen aufgetürmt, daneben gibt es Kissen und warme Decken. Auf einem Tisch im Nebenraum stehen Cake und Mineralwasser für das leibliche Wohl allfälliger Sprösslinge bereit. Spielzeuge gibt es keine, dafür eine Garantie der stetigen Betreuung.

Bei der Aktion «Fremdbetreuung» können bis zu zwölf Jahre alte Kinder während 48 Stunden rund um die Uhr und ohne Voranmeldung an Fremde abgegeben werden. Die Versuchsanordnung am alten Standort des Archivs SBB Historic begann am Freitagnachmittag um 17 Uhr. Konzipiert hat das Projekt der Aktionskünstler San Keller zusammen mit den Architekturstudentinnen Lian Stähelin und Joana Tschopp.

Fast jeder ist willkommen

Bei der Versuchsanordnung können sich neben Eltern, die ihre Kinder abgeben möchten, auch Freiwillige zur Kinderbetreuung melden. Grundsätzlich nähmen sie gerne die Hilfe von jedem an, so Keller. Einzig jemanden «im Vollsuff» müssten sie wohl ablehnen.

Reichlich Raum für reichlich unerfüllte Erwartungen? Für Keller ist dies keineswegs der Fall. «Das Warten ist Teil des Kunstprojekts, wir haben keine fixen Erwartungen.» Es sei «von der Szenografie her» ein sehr schwieriger Raum. Er sei transparent, gross und ausgestellt, am zentralen Standort beim Bollwerk. Sie versuchten mit «Provokation und Projektion» zu operieren. Doch die Kunstschaffenden harren weiter aus. Bis Sonntagabend um 17 Uhr.

San Keller wendet sich seinen Eltern zu, die dabei sind, sich zu verabschieden. «Dürfen wir dich als unser Kind heute hier lassen?» «Auf jeden Fall», antwortet der Initiator. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.02.2015, 21:19 Uhr

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