Kriminelles in der Stadt Thun

Die Schlosspiele Thun verlassen für ihr diesjähriges Stück «Tatort Thun – Dr Fall Fulehung» den Schlosshof. Autor und Regisseur Ueli Bichsel gibt Auskunft.

Krimifan Ueli Bichsel bei der Arbeit. (zvg)

Krimifan Ueli Bichsel bei der Arbeit. (zvg)

Regula Fuchs

Die Schlossspiele Thun verlassen dieses Jahr den Schlosshof – «Tatort Thun – Dr Fall Fulehung» ist ein Stationen-Theater. Warum dieser Schritt hinaus in die Stadt?

Das hatte zwei Gründe: Einerseits wollte man wieder einmal ein Stück mit Thun-Bezug machen. Andererseits wollte ich nicht im Gefängnishof inszenieren, da er mir zu zweidimensional ist und keine Tiefe hat: Man spielt an eine Wand heran. Ich bin noch nie ein Freund von Kunstbauten im Theater gewesen, und deshalb entschlossen wir uns, draussen zu spielen, vor Ort. Und damit etwas komplett Neues zu wagen. Die Zuschauer nehmen an einem fiktiven Stadtrundgang zu den interessantesten Kriminalfällen Thuns teil – und werden Augenzeugen eines Mordanschlags.

Wird man danach noch ohne Gänsehaut durch Thuns Innenstadt gehen können?

Ja, man braucht keine Angst zu haben, dass plötzlich ein mörderischer Fulehung auftaucht! Schliesslich ist es ein Theaterstück. Eines mit drei Ebenen: Zunächst führen die Journalisten Kurt Moser und Wädi Friedli die Besucher auf dem Stadtrundgang herum, da hinein spielen zwei weitere Ebenen, die zeitlich zurückversetzt sind – die eine berichtet von den Geschehnissen vor einem Jahr, die andere ist eine Rückblende, die 15 Jahre in die Vergangenheit reicht und andeutet, was die Gründe für die Mordfälle sein könnten. Ausserdem drehen wir den Spiess um: Während der Fulehung in der Sage ermordet wird, ist er bei uns der Mörder. Oder jedenfalls jemand, der in seinem Kostüm steckt.

Also eine relativ komplexe Angelegenheit. Haben Sie die Gattung des Krimis aus strategischen Gründen gewählt – um die unzähligen Krimifans aus ihren Lese- und Fernsehsesseln hervorzulocken?

Nein, vor allem bin ich selber Krimifan, ich mag Krimis im Film oder auf der Bühne und rätsle selber gerne mit. Mit dem Stücktitel «Tatort Thun» spielen wir natürlich auf die «Tatort»-Reihe im Fernsehen an – denn unser Stück hat etwas Filmisches: Die neun verschiedenen Schauplätze sind wie die Szenen eines Films, man geht von einer zur anderen. Im Theater bräuchte das unzählige Kulissenwechsel – hier ist die Stadt die Kulisse.

Wie probt man ein Stück in den Strassen Thuns, vor den Augen der Passanten?

Wir proben schon seit März draussen, denn die Bedingungen auf einer Probebühne sind ganz anders als auf der Strasse. Und das geht recht gut! Es gibt eine Szene, die in der Hauptgasse spielt: Einer der Protagonisten wird tödlich getroffen, und die anderen versuchen, ihn wiederzubeleben. Manche Passanten bleiben erschrocken stehen, wenn sie das sehen, es kam aber auch schon vor, dass Leute wie der Blitz angerannt kamen und helfen wollten. Das ist für uns kein schlechtes Zeichen – offenbar wurde gut gespielt.

«Tatort Thun» überkreuzt sich terminlich mit dem «Dällebach Kari» der Thuner Seespiele. Versucht man als Regisseur überhaupt, gegen eine solch gigantische Musical-Maschine anzukommen, oder lässt einen das kalt?

Da kann ich Sie beruhigen, es gibt überhaupt keine Konkurrenz. Wir spielen mit Laien und verfügen nur über einen Bruchteil des Budgets der Seespiele; die zwei Projekte sind überhaupt nicht vergleichbar. Seit 2006, als ich als künstlerischer Direktor der Seespiele zurückgetreten bin, habe ich nicht mehr selber inszeniert. Nun habe ich mich ganz bewusst für etwas Schlichtes entschieden.

Der Bund

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