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Verbot von GrossveranstaltungenKein Lucerne Festival, kein Filmfestival Locarno

Die kulturellen Grossanlässe fallen diesen Sommer aus. Auch jene, die bis heute noch gehofft haben.

Im Luzerner KKL bleibt es in diesem Sommer still.
Im Luzerner KKL bleibt es in diesem Sommer still.
Foto: Priska Ketterer

«Freude» wäre das Motto des diesjährigen Lucerne Festival gewesen, nun herrscht Katzenjammer. Denn der Bundesrat hat Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen bis Ende August verboten: Da bleibt auch jenen Veranstaltern, die noch auf eine Durchführung gehofft hatten, nur die Absage. Es wird kein Gurtenfestival geben, keine Open Airs in St. Gallen und Frauenfeld.

Und eben, kein Lucerne Festival, zum zweiten Mal in der Geschichte nach dem kriegsbedingten Ausfall 1940. Man hatte es ja kommen sehen, nicht nur wegen der 1800 Plätze im Luzerner KKL, sondern auch wegen der Reisebeschränkungen. Die Anreise von internationalen Orchestern, Solistinnen und Dirigenten war schon länger unwahrscheinlich.

Ein Schock sei die Absage dennoch, sagt Lucerne-Festival-Intendant Michael Haefliger. Künstlerisch, emotional, auch finanziell. Zwar habe man von vielen Sponsoren positive Signale erhalten, «aber manche davon sind selber in ungewissen Situationen». Offen ist derzeit auch noch, wieweit der Kanton Luzern unterstützend eingreift; im Normalfall subventioniert er 5 Prozent des 25-Millionen-Budgets.

«Wir werden auch für 2021 ein Notfallszenario vorbereiten.»

Michael Haefliger, Intendant des Lucerne Festival

Sicher ist, dass man trotz der Absage in Kontakt bleiben will mit dem Publikum. Es wird digitale Angebote geben, «vielleicht sogar Streams von kleinen Liveanlässen». Was noch nicht verboten ist, will Haefliger nicht abschreiben. Auch nicht die geplante China-Tournee des Lucerne Festival Orchestra im Oktober. Und erst recht nicht die Novemberkonzerte mit Igor Levit und Patricia Kopatchinskaja: «Ich bin optimistisch, dass irgendetwas stattfinden kann.»

Es ist ein vorsichtiger Optimismus, auch in Bezug auf den Sommer 2021. Die Planung dafür ist fast abgeschlossen; vielleicht, sagt Haefliger, werde man einige der 2020er-Highlights hinüberretten können. «Aber wir werden auch ein Notfallszenario vorbereiten: für den Fall, dass die Pandemie auch dann noch nicht vorbei sein sollte.»

Locarno startet alternative Projekte

Auch das 73. Filmfestival von Locarno kann nicht stattfinden. Laut der künstlerischen Leiterin Lili Hinstin seien die Szenarien, die man durchgespielt habe, «ins Unermessliche» gegangen. Selbst eine Version mit einer Beschränkung auf 1000 Personen war am Ende noch im Gespräch. Aber irgendwann war klar, Locarno ist ein «physisches Festival», so Hinstin, «man trifft sich hier im Sommer, es gibt den See und die Berge». Auch eine digitale Ausgabe wird es nicht geben.

Stattdessen startet das Festival die Initiative «Locarno 2020: For the Future of Films». Sie soll unabhängige Kinoproduktionen in der Schweiz und im Ausland unterstützen, die wegen der Krise in Schwierigkeiten geraten sind. Geplant ist etwa, dass ein Spezial-Leopard an eine Schweizer und an eine internationale Filmproduktion vergeben wird, nominiert werden je zehn Kandidaten. Weitere Projekte sollen folgen.

«Dank den Partnern ist die Zukunft des Festivals sichergestellt.»

Raphaël Brunschwig, operativer Leiter des Locarno Film Festival

Vorstellbar ist laut Lili Hinstin auch, dass es im August vereinzelte Vorführungen in Locarno geben wird. «Wenn wir können, dann tun wir das, um das Kino und die Rückkehr zur Normalität zu feiern.» Dies aber nur, ohne gesundheitliche Risiken einzugehen. Festivalpräsident Marco Solari hat selber eine Coronavirus-Erkrankung durchgestanden.

Für Teile der Mitarbeiter habe das Festival Kurzarbeit beantragt, sagt der operative Leiter Raphaël Brunschwig. Keinen Verdienst werden die rund hundert Leute haben, die erst während der Festivalzeit zum Team dazustossen. Private Partner sowie Bund und Kanton Tessin unterstützen Locarno aber auch dieses Jahr. «Dank den Partnern ist die Zukunft des Festivals sichergestellt.» Aktuell müsse man schauen, dass das Defizit nicht zu gross werde. Von den Partnerschaften sei abhängig, welche zusätzlichen Projekte im Rahmen von «Locarno 2020» durchgeführt werden könnten.

Neben Cannes und Venedig wird Locarno auch Teil des virtuellen Filmfestivals «We Are One» sein, das ab Ende Mai auf Youtube stattfindet.