Katastrophenjahr sorgt für Rekordschäden

Welche Kosten Stürme, Erdrutsche und Waldbrände 2017 verursachten – und was die teuersten Naturereignisse in der Schweiz waren.

Führten zu einem wirtschaftlichen Gesamtschaden von 217 Milliarden US-Dollar: Die drei Hurrikane Harvey, Irma und Maria. (Video: Tamedia)
Yannick Wiget@yannickw3
Marc Fehr@mrcfhr

301 grossen Katastrophenereignisse – verursacht durch Launen der Natur, aber auch durch Menschenhand – wurden letztes Jahr registriert. 2016 waren es 329 gewesen, 2015 sogar noch mehr. Trotzdem ist 2017 ein Rekordjahr: Noch nie wurden innerhalb eines Jahres so hohe Versicherungsschäden verzeichnet, wie eine neue Studie von Swiss Re zeigt.

Naturkatastrophen wie Stürme, Erdbeben oder Überschwemmungen und sogenannte Man-made-Katastrophen wie selbst gelegte Brände, Luft- oder Schiffahrtsunfälle sorgten demnach für versicherte Schäden von 144 Milliarden US-Dollar. Ähnlich hoch sie nur 2011, als unter anderem der Tsunami in Japan wütete, und 2005 mit den Hurrikans Ivan, Charley, Frances.

Der weltweit durch Natur- und Man-made-Katastrophen verursachte wirtschaftliche Gesamtschaden belief sich im vergangenen Jahr auf 337 Milliarden Dollar. Dieser Wert ist beinahe doppelt so hoch wie 2016 und der zweithöchste, der je verzeichnet wurde. Nur 2011 mit den Erdbeben in Neuseeland, den Überschwemmung in Thailand und dem Tsunami in Japan war noch schlimmer.

Dass der Schaden im vergangenen Jahr so hoch ausfiel, ist vor allem auf die drei Hurrikane Harvey, Irma und Maria zurückzuführen, die im August und September in kurzer Folge über Teile der USA und der Karibik hinwegzogen. Sie alleine führten zu einem wirtschaftlichen Gesamtschaden von 217 Milliarden Dollar.

Hurrikan Irma führte zu den höchsten wirtschaftlichen Schäden in der Karibik seit Beginn der Aufzeichnungen, während Maria die gesamte Infrastruktur Puerto Ricos lahmlegte, darunter auch die Strom- und Wasserversorgung, die Transport- und Kommunikationsnetze und die Energieanlagen.

«2017 wird als eine der bisher teuersten Hurrikansaisons in die Geschichte eingehen.»Martin Bertogg, Leiter Catastrophe Perils bei Swiss Re

Harvey sorgte für sintflutartige Regenfälle, die in der Folge zu katastrophalen Überschwemmungen in einigen der am dichtesten besiedelten Gegenden der Golfküste führten, darunter auch in Houston. Rund 200’000 Häuser standen unter Wasser und 500’000 Fahrzeuge wurden beschädigt. Der wirtschaftliche Gesamtschaden durch Harvey belief sich auf 85 Milliarden Dollar.

Versichert waren davon nur 30 Milliarden. Allein der versicherte Schaden der drei grossen Hurrikans betrug aber 92 Milliarden Dollar, was 0,5 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts entspricht. 2017 war damit nach 2005 die zweitteuerste Hurrikansaison überhaupt. Harvey, Irma und Maria gehören zu den sieben Hurrikans, die in der Geschichte der USA die grössten Versicherungsschäden hinterliessen.

Auch in Bezug auf Waldbrände war 2017 ein Jahr der Rekorde. Rund um den Globus führten grossflächige Waldbrände zu versicherten Schäden von 14 Milliarden US-Dollar – dem höchsten bisher in einem einzelnen Jahr registrierten Wert. Am meisten litten Nord- und Südkalifornien unter den Feuern. Das Tubbs-Feuer verursachte in Napa und Sonoma County versicherte Schäden in Höhe von 7,7 Milliarden Dollar und ist damit der bisher weltweit teuerste Waldbrand.

Insgesamt war Nordamerika die am stärksten betroffene Region: Gut 82 Prozent aller versicherten Schäden und 72 Prozent der wirtschaftliche Gesamtschäden fielen hier an.

Am meisten Opfer verzeichneten aber Afrika und Asien. Ein Erdrutsch und Überschwemmungen in Sierra Leone forderten Mitte August mehr als 1100 Todesopfer und Vermisste. In Indien, Nepal und Bangladesh starben über 1000 Menschen durch schwere Monsunregenfälle und Überschwemmungen. Weltweit verloren im letzten Jahr infolge von Katastrophen mehr als 11’000 Menschen ihr Leben oder gelten seither als vermisst, Millionen verloren ihr Obdach.

8’000So viele Menschen kamen 2017 bei Naturkatastrophen ums Leben.

Auch hierzulande verursachten Naturereignisse im vergangenen Jahr Schäden. Mitte Januar sorgte der Wintersturm Egon für eisige Winde, starken Schneefall und Überschwemmungen. In Frankreich, Deutschland, Luxemburg und der Schweiz gab es insgesamt 3 Tote. Der versicherte Schaden belief sich auf 275 Millionen Euro.

Sorgte auch in der Schweiz für zahlreiche Schäden: Der Wintersturm Egon. (Video: Tamedia)

Ende April brachte eine Kältewelle Frost nach Europa und verursachte schwere Schäden in der Landwirtschaft. Auch Schweizer Bauern verzeichneten riesige Ernteverluste, der Bund griff ihnen sogar finanziell unter die Arme. Die versicherten Kosten betrugen in insgesamt 11 Ländern 775 Millionen Euro, der wirtschaftliche Gesamtschaden sogar 3,4 Milliarden.

Und im Juli entstand infolge von Hagelstürmen in der Schweiz und im Norden ein versicherter Schaden von 86 Millionen Franken und ein Gesamtschaden 100 Millionen.

Höchste Schadensumme seit 2007

Alle Naturkatastrophen wie Hochwasser, Murgänge, Steinschlag, Fels- und Bergstürze zusammen haben 2017 in der Schweiz Schäden von 170 Millionen Franken verursacht. Das ist die höchste Summe seit 2007, wie die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) vergangenen Monat mitteilte.

Für besonders viel Aufregung haben in der Schweiz der Bergsturz und die Murgänge vom vergangenen August in der Region von Bondo gesorgt, die acht Todesopfer forderten. Weil sie aber «nur» Kosten von rund 41 Millionen Franken auslösten, werden sie nicht in der Statistik von Swiss Re aufgeführt.

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