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Umweltkrimi im KandertalKantonsparlament untersucht Fischsterben im Blausee

Nach der Staatsanwaltschaft schaltet sich nun der Grosse Rat in die Giftmüll-Affäre ein. Im Fokus der Untersuchung stehen die BLS und die Bau- und Verkehrsdirektion.

Im Blausee werden Bio-Forellen gezüchtet. Im Frühling verendeten tausende Tiere und waren mit krebserregenden Stoffen und Schwermetallen belastet.
Im Blausee werden Bio-Forellen gezüchtet. Im Frühling verendeten tausende Tiere und waren mit krebserregenden Stoffen und Schwermetallen belastet.
Foto: Adrian Moser

Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Grossen Rates will das Fischsterben im Blausee nun selbst untersuchen. Die Medienberichte hätten ihr Interesse geweckt, sagt der GPK-Vizepräsident Fritz Ruchti (SVP). «Nach der falschen Abrechnung von Subventionen ist schon wieder die BLS involviert.» Wie die Staatsanwaltschaft, die unterdessen in der Sache ermittelt, wolle die GPK herausfinden, ob ein Zusammenhang zwischen dem Fischsterben im Blausee und der illegalen Deponie von Giftmüll in der Kiesgrube Mitholz bestehe.

In der Kiesgrube oberhalb des Sees im Kandertal hatte die Berner Baufirma Marti alten Gleisschotter aus dem BLS-Scheiteltunnel im Lötschberg deponiert, der seit 2018 saniert wird. Das war illegal. Denn das Material ist mit Giftstoffen belastet und muss als Sondermüll entsorgt werden. Die Firma Vigier, die die Kiesgrube betreibt, musste daraufhin 1000 Tonnen verschmutzten Materials wieder ausbaggern und korrekt entsorgen. Dies hatten Journalisten von Tamedia, der «Berner Zeitung» und der «Rundschau» letzte Woche publik gemacht.

Fehler in der Verwaltung

Zudem gelte es, die Vorgänge in der Verwaltung zu untersuchen und herauszufinden, ob hier jemand Fehler gemacht habe, sagt Ruchti weiter. In der zuständigen Direktion von Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) werden Fehler beim Bewilligungsverfahren eingeräumt. Die Beamten hätten übersehen, dass die Kiesgrube darin erwähnt worden sei. Die Direktion schiebt die Verantwortung jedoch dem Bund zu. Dieser habe das Entsorgungskonzept für den Gleisaushub aus dem Lötschbergtunnel letztlich an dieser Stelle bewilligt. Denn der Kanton Bern ist zwar Mehrheitsaktionär der BLS. Doch das Streckennetz, auf dem ihre Züge fahren, gehört dem Bund.

Ruchti erklärt, was nun passiert: Die GPK habe dieselben Befugnisse wie eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK). Sie könne als Oberaufsicht über den Regierungsrat und die Verwaltung Beamte wie auch Mitarbeiter der Firma Marti befragen, «so wie wir es auch bei der Kiesbranche gemacht haben». Daraus folge ein Bericht an den Grossrat als Grundlage für das weitere Vorgehen. Die GPK werde sich bei ihrer Untersuchung mit der Staatsanwaltschaft absprechen. Sie wolle Doppelspurigkeiten vermeiden, sagt Ruchti. «Aber wir wollen der Wahrheit auf den Grund gehen.»