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Geldblog: Leserfrage zu kalkuliertem AnlegenKann ich ohne Risiko eine Rendite erzielen?

Wer auf seinem Geld Rendite anstrebt, muss ein mehr oder weniger hohes Anlagerisiko in Kauf nehmen – auch Immobilien als Anlage sind keineswegs risikolos.

Ganz ohne Risiko? Das geht bei einem Anlagebetrag von 400’000 Franken nicht.
Ganz ohne Risiko? Das geht bei einem Anlagebetrag von 400’000 Franken nicht.
Illustration: Christina Baeriswyl

Welche Empfehlung haben Sie uns für die Anlage von zirka 400’000 Franken? Sicherheit ist uns wichtig. Für wie empfehlenswert halten Sie den Tipp, den wir erhalten haben, in eine Eigentumswohnung zu investieren? Ist es sinnvoll, wenn wir einen Teilbetrag oder die gesamten 400’000 Franken als unentgeltliches Darlehen den Kindern beim Liegenschaftserwerb geben? Leserfrage von E.A.

Ohne Risiko können Sie auf dem Anlagebetrag von 400’000 Franken keine attraktive Rendite erwirtschaften. Je mehr Rendite Sie auf diesem Geld wünschen, desto mehr Risiko gehen Sie ein. Zwar könnten Sie momentan vergleichsweise günstig viele Aktien erwerben, die auf lange Sicht eine höhere Rendite versprechen. Wegen der Corona-Krise rechne ich aber noch längere Zeit mit stärkeren Turbulenzen an den Finanzmärkten. Auch dürften die Dividenden bei vielen Unternehmen gekürzt und teilweise ganz gestrichen werden, weil die Firmen als Folge der Krise und des Lockdown mehrheitlich deutlich weniger verdienen. Obligationen in Schweizer Franken bieten in der Regel weniger Schwankungen – vorausgesetzt, dass Sie von guten Schuldnern stammen. Doch dafür müssen Sie auf Rendite verzichten. Hohe Sicherheit bedeutet in Zeiten rekordtiefer Zinsen auch Renditeverzicht. Top-Schuldner wie die Eidgenossenschaft weisen gar eine Negativrendite aus. Und auch erstklassige Unternehmensanleihen bringen in Schweizer Franken kaum Zins.

Eine Möglichkeit bieten immerhin Anleihen-Fonds mit Schweizer und ausländischen Anleihen von guten bis einigermassen noch akzeptablen Schuldnern sowie Fremdwährungsanleihen. Dank der breiten Diversifikation können Sie das Ausfallrisiko von nicht erstklassigen Schuldnern noch im Griff behalten, bekommen aber etwas mehr Rendite. Bei solchen Fonds sollten Sie aber auch auf die Gebühren achten, da diese Rendite wegfressen. Wichtig ist, dass Sie das Geld breit diversifiziert auf verschiedene Anlageklassen investieren. Ein Anlagerisiko tragen Sie dennoch immer.

Sie sollten Ihren Kindern offen kommunizieren, wer für welchen Zweck ein Darlehen bekommt.

Kritisch bin ich gegenüber der Idee, dass Sie mit dem Geld eine Eigentumswohnung als Anlage kaufen. Die Immobilienpreise in der Schweiz sind in den letzten Jahren stark gestiegen und sind wegen der rekordtiefen Zinsen weiter hoch. Sie würden kaum günstig kaufen können. Viele Privatinvestoren haben – neben den institutionellen Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen – Immobilien als Anlage erworben, was die Preise zusätzlich in die Höhe getrieben hat. Die Nationalbank hat zu Recht vor einer Preisblase bei Renditeliegenschaften gewarnt. Auch da tragen Sie ein Anlagerisiko. Zudem gehen Sie ein Klumpenrisiko ein, da Sie bereits ein Einfamilienhaus besitzen.

Eine ganz andere Möglichkeit beinhaltet Ihre Idee, dass Sie das Geld Ihren erwachsenen Kindern für den Erwerb von Wohneigentum zu Verfügung stellen. Das wäre eine rein ideelle Anlage. Hier würden Sie bewusst auf eine Rendite verzichten, wenn Sie ein unentgeltliches Darlehen geben. Sie könnten auch einen kleinen Zins verlangen, damit wenigstens die Teuerung kompensiert ist und Sie kein Geld verlieren. Hier ist es wichtig, dass Sie alles vertraglich regeln und unter den erwachsenen Kindern offen kommunizieren, wer für welchen Zweck ein Darlehen bekommt, und Ihre Kinder auch einbeziehen. So vermeiden Sie spätere Erbstreitigkeiten.

1 Kommentar
    Louis Deluigi

    Aufgrund der Fragen, die dieses Ehepaar stellt, kann man davon ausgehen, dass es diese 400'000 nicht braucht. Darum wäre es wirklich am besten, sie schenkten dieses Geld steuerfrei ihren erwachsenen Kindern. Auch wenn die damit kein Wohneigentum kaufen würden (was aber sinnvoll wäre; es gibt keine falsche Zeit, Wohneigentum zu erwerben), würden sie es auch sonst wenigstens in Umlauf bringen.