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Neues Restaurant im KornhausKaffee gibt es auch im «neuen» Kornhaus

Architektur aus Israel, Pizza aus Neapel: Nach dem Umbau im Berner Kornhaus eröffnet die Gastrofirma Bindella das Restaurant am kommenden Montag mit einem neuen Konzept.

Offen und hell: Blick in das renovierte Kornhaus, wo die Firma Bindella unter dem Namen Più das Restaurant wiedereröffnet.
Offen und hell: Blick in das renovierte Kornhaus, wo die Firma Bindella unter dem Namen Più das Restaurant wiedereröffnet.
Foto: Adrian Moser

Nach vier Monaten sind die Bauwände rund ums Berner Kornhaus verschwunden. Der Blick durch die grossen Fensterscheiben im Erdgeschoss zeigt: Die Architektur im renovierten Raum ist modern und reduziert, die Kunst an den Wänden ausgesucht, die Weinflaschen dekorativ präsentiert. Doch: «Passanten, die hier vorbeikommen und die Köpfe reinstecken, wollen vor allem eines wissen: ‹Kann ich hier weiter meinen Kaffee trinken am Morgen?›», sagt Jasmin Trüssel. Sie ist Projektleiterin bei der Zürcher Gastrofirma Bindella und war verantwortlich für die Umsetzung des neuen Konzepts im ehemaligen Kornhaus-Café.

Die Antwort lautet: «Ja.» Wenn das Restaurant am Montag unter dem neuen Namen Più aufgeht, wird es durchaus möglich sein, wie gewohnt Kaffee zu trinken. Zum Kern des neuen Konzepts, das Bindella ähnlich in Zürich bereits an zwei Orten realisiert hat, gehört aber die Pizza aus Neapel. Leichter und luftiger als andere Pizzas sei diese, wie Rudi Bindella junior erklärt. Die Zutaten kämen teilweise direkt aus Napoli, statt den Umweg über Mailand zu machen. Ebenfalls wichtig ist die integrierte Vinoteca, die Weine zum Verkauf, aber auch als Begleitung zum Essen anbietet.

Holz und Ton dominieren das Più. Im Hintergrund der Pizzaofen.
Holz und Ton dominieren das Più. Im Hintergrund der Pizzaofen.
Foto: Adrian Moser
Das Flair des Café Kornhauses ist nicht ganz verschwunden.
Das Flair des Café Kornhauses ist nicht ganz verschwunden.
Bild: Adrian Moser
Der Wein spielt mit der integrierten Vinoteca eine besondere Rolle.
Der Wein spielt mit der integrierten Vinoteca eine besondere Rolle.
Bild: Adrian Moser
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Nach 20 Jahren sei das Konzept des Kornhaus-Cafés überholt gewesen, so Bindella junior. Das habe sich auch am Umsatz gezeigt. Mit dem Più wolle man auch etwas zur Aufbruchstimmung beitragen, die er in der Berner Gastronomie wahrnehme.

Fast alles nach Plan

Während vier Monaten wurden die Räumlichkeiten umgebaut, nach dem Design der Pitsou Kedem Architects und dem Büro Branowitz und Goldberg aus Tel Aviv. Nicht nur im Erdgeschoss, auch im vierten Stock wurde gearbeitet. In den ehemaligen Räumlichkeiten der Freikirche Vineyard befinden sich nun Lager, Büros und eine weitere Küche.

Bauen trotz Corona? «Praktisch kein Problem», sagt Trüssel. Man hätte die Bauarbeiter mit Hygienematerial ausgerüstet und den Bauplan so angepasst, dass nicht zu viele Arbeiten am selben Ort zur selben Zeit stattfinden mussten. Bis auf einige Deckenlampen aus den USA und die Möbel für die Terrasse aus Portugal sei so weit alles bereit.

Auch gastronomisch sei man nicht eingeschränkt. Das Angebot im Più entspreche dem ursprünglichen Konzept, sagt Rudi Bindella junior – im Gegensatz zu vielen anderen Bindella-Restaurants, die nach dem Lockdown erst mal mit einer reduzierten Karte gestartet hatten.

Kurze Irritation wegen Miete

Ganz ohne Irritation ging der Konzeptwechsel im Kornhaus nicht über die Bühne – nicht nur wegen der Angst um den morgendlichen Kaffee. So machte der «Bund» im Februar bekannt, dass die Miete, die Bindella der Stadt für das Kornhaus entrichtet, auffällig tief ausfällt – gerade im Vergleich zu anderen Mietern wie dem Kornhausforum.

Bindella und die Stadt begründeten die Konditionen in den Verträgen von 1998 damit, dass damals niemand sonst das investitionsbedürftige Lokal übernehmen wollte. In den letzten 20 Jahren habe man nun rund 20 Millionen Franken in die Räumlichkeiten investiert, wie Rudi Bindella senior am Donnerstag sagte.

Auch die Kündigung an die Freikirche Vineyard, welche den vierten Stock mietete, verlief nicht ohne Misstöne. Die Kirche vermutete, dass es der Stadt nicht passte, dass Vineyard in den Räumlichkeiten auch Angebote für Randständige betrieb. Ursprünglich plante die Stadt für den Bereich eine «kulturelle oder öffentliche Nutzung», wie die «Berner Zeitung» damals schrieb. Doch daraus wurde nichts – auch wegen den hohen Mietforderungen der Stadt.