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Grossbritanniens Reaktion auf die US-WahlenJohnson gerät nach Bidens Sieg unter Druck

Keinen anderen Verbündeten der USA trifft der Wechsel in Washington so hart wie die Regierung in London.

Der «Britannien-Trump»: Der britische Premier Boris Johnson verliert mit Donald Trump einen Verbündeten in seinem Konflikt mit der EU.
Der «Britannien-Trump»: Der britische Premier Boris Johnson verliert mit Donald Trump einen Verbündeten in seinem Konflikt mit der EU.
Foto: Chris Jackson (Getty)

Keine Regierung in Europa war dem bisherigen Präsidenten Donald Trump so ergeben gefolgt wie die der britischen Brexiteers. Noch am Samstag nach dem Wahlsieg Joe Bidens hatte Londons Aussenminister Dominic Raab Trump respektvoll bescheinigt, dass er für den Verbleib im Weissen Haus «hart gekämpft» habe. Premierminister Boris Johnson beliess es bei einem halbherzigen Glückwunsch an Biden. Weil die USA der «wichtigste Alliierte» Grossbritanniens seien, freue er sich «auf enge Zusammenarbeit», sagte er nur.

Ganz anders hatte der britische Oppositionsführer und Labour-Vorsitzende Sir Keir Starmer reagiert: Er pries Bidens Feldzug als «eine Kampagne des Anstands, der Integrität, des Mitgefühls und der Stärke». Überraschend kam der Kontrast freilich nicht. Trump selbst hatte Boris Johnson ja einmal gönnerhaft als «Britannien-Trump» bezeichnet. Und Biden wird der Kommentar zugeschrieben, Johnson sei «physisch und emotional» das reinste «Ebenbild» Donald Trumps.

Die Warnung von Joe Biden

Angespannt war das Verhältnis zwischen Boris Johnson und den US-Demokraten ja schon lange. Unvergessen geblieben sind üble Bemerkungen Johnsons zur Person Barack Obamas und seine geringschätzige Behandlung des Good-Friday-Abkommens, des nordirischen Friedensvertrags. Biden – irischer Abstammung und mit langjähriger Erfahrung in internationalen Fragen – hatte Johnson jüngst gewarnt, falls er mit seiner Bereitschaft zum Vertragsbruch den Nordirland-Frieden gefährde, brauche er gar nicht erst mit einem Handelsvertrag mit den USA zu rechnen. Schon vor dem Brexit-Referendum von 2016, als Biden noch Vizepräsident war, hatte er sich an Obamas Seite gegen den Ausstieg der Briten aus der EU gewandt.

Trump passte ein möglichst harter Brexit dagegen ins Konzept seines Anti-EU-Kurses. Mithin findet sich Johnson nun vor einem Problem. Schon in den nächsten Tagen muss eine Entscheidung über die künftigen Beziehungen seines Landes zur EU fallen. Politische Insider in London glauben, dass Johnson jetzt eher nachgeben könnte bei einem Vertragsschluss mit Brüssel. Unmöglich ist ein Scheitern der Verhandlungen allerdings nicht. Unterdessen versucht man in London, Kontakte zu Bidens Team herzustellen. Wegen der Nähe zu Trump war das bisher nicht erste Priorität. Londons konservative «Sunday Times» quittierte die Bemühungen mit der spöttischen Überschrift: «Mr President, ich habe einen Mr Johnson in der Leitung – wollen Sie diesen Anruf annehmen oder nicht?»

44 Kommentare
    Thomas Meier

    Die britisch-amerikanische Partnerschaft bekam schon Risse, als im Weissen Haus der grosse Einflüsterer Steve Bannon entlassen wurde.

    Der Brexit war eine Idee von Nigel Farrage und Steve Bannon. Die Strippen im Hintergrund zogen Salvini und Orban.

    Diese mehr als fragwürdigen Personen trafen sich mehrmals heimlich in den italienischen Alpen - wie eine Arte-Doku bewies ("die betrogene Nation".)

    Gemäss dieser Doku spielte Trump nur eine untergeordnete Rolle. Aber er war zweifellos begeistert vom Brexit.

    Boris Johnson - der anfänglich gegen den Brexit war - spielte dabei bloss den idiotischen Hampelmann.

    Und die britsche Bevölkerung war naiv genug, diesen "ehrenwerten" Männern - die allesamt jetzt keine Verantwortung tragen - blindlings zu folgen.

    Eine Naivität, die den Briten teuer zu stehen kommen kann.