Jihad-Reisender trotz Überwachung untergetaucht

Die Reisepläne waren bekannt, das Telefon wurde überwacht - dennoch wurde der Wetziker Issam K. nicht gestoppt. Weil unklar ist, wo er ist, wurde das Strafverfahren gegen ihn sistiert.

Die Provinz Hatay: Das Gebiet an der türkisch-syrische Grenze ist sehr unruhig. Das letzte Lebenszeichen von Issam K. kommt aus dieser Region.

Die Provinz Hatay: Das Gebiet an der türkisch-syrische Grenze ist sehr unruhig. Das letzte Lebenszeichen von Issam K. kommt aus dieser Region.

(Bild: Keystone Kasik Volkan)

Issam K. und Ahmed J. wollen Anfang 2015 nach Syrien ins Kriegsgebiet reisen. Sie besprechen ihre Pläne auch am Telefon. Was sie nicht wissen: Sie werden abgehört. Im April 2015 wurde der 26-Jährige Ahmed J. am Flughafen Zürich im abflugbereiten Flugzeug nach Istanbul gefasst. Im Prozess in Bellinzona wurde er im Juli 2016 vom Bundesstrafgericht zu einer bedingten Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt. Issam K. hingegen wird nicht gestoppt und verschwindet, wie die «NZZ» schreibt.

Issam K. bucht wie Ahmed in einem Reisebüro in Uster ein Flugticket nach Istanbul. Am 4. April 2015 fliegt der Maler aus Wetzikon in die Türkei, schreibt die Zeitung weiter. Danach reist er weiter in die Provinz Hatay in die Nähe der syrischen Grenze. Dort verliert sich die Spur des dreifachen Familienvaters. Obwohl die Behörden aufgrund der Telefonüberwachung von seinem Vorhaben wissen, eröffnet die Bundesanwaltschaft erst drei Monate später ein Strafverfahren gegen den 50-Jährigen.

Keine Ahnung wo er ist

André Marty, Sprecher der Bundesanwaltschaft, bestätigt gegenüber der «NZZ», dass ein Strafverfahren gegen den 50-Jährigen eröffnet worden war: Wegen Verstosses gegen das Gesetz über das Verbot der Gruppierungen al-Qaida und IS sowie wegen Unterstützung von beziehungsweise Beteiligung an einer kriminellen Organisation. Zur Frage, weshalb Issam K. den Behörden durch das Netz schlüpfen konnte, wollte sich Marty nicht äussern. Man könne zum Verfahren keine weiteren Angaben machen.

Was er genau im türkisch-syrischen Grenzgebiet gemacht hat, bleibt unklar. Das letzte Lebenszeichen stammt aus der Provinz Hatay. Seine Frau erzählt laut der Zeitung diese Version: Ihr Mann sei tot – gestorben in einem türkischen Spital. Er habe nicht gekämpft, sondern sei an einer Lungenentzündung gestorben.

Klar erscheint nur eines: Die Schweizer Behörden wissen nicht, wo sich der Mann befindet. Die Bundesanwaltschaft hat nämlich Anfang dieses Jahres das Strafverfahren gegen Issam K. sistiert. Das kann unter anderem dann vorkommen, wenn der Aufenthaltsort eines Täters unbekannt ist.

lvb

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