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Trump 2024Jetzt will er Gegenpräsident werden

Donald Trumps Kalkül ist klar: Er will sich als alternativer Staatschef zu Joe Biden aufbauen, um in vier Jahren wieder zur Wahl anzutreten. Das ist riskant, könnte aber klappen.

US-Präsident  Trump am National Veterans Day auf dem Soldatenfriedhof in Arlington, Virginia.
US-Präsident Trump am National Veterans Day auf dem Soldatenfriedhof in Arlington, Virginia.
Foto: Chris Kleponis  (Keystone) 

Fast täglich verzeichnen die Coronavirus-Ansteckungen in den USA neue Rekorde, die Krankenhäuser in Staaten wie North Dakota und Wisconsin sind voll. Was aber tut der scheidende Präsident Donald Trump? Die Pandemie lässt ihn kalt, statt sich um das Wohl der Bürger zu kümmern und dem neuerlichen Ausbruch gegenzusteuern, sinnt der Präsident, wie er seine Wahlniederlage in einen politischen Sieg ummünzen kann.

Der geschlagene Präsident, den immerhin mehr als 71 Millionen Amerikaner wählten, möchte eine virtuelle Gegenpräsidentschaft aufbauen und eine neuerliche Kandidatur 2024 anstreben. Trump wird weichen und das Weisse Haus vielleicht schon vor dem Ende seiner Amtszeit am 20. Januar verlassen, ohne seine Niederlage eingestanden zu haben. Mit der Behauptung, er sei um den Sieg betrogen worden, wird er der Präsidentschaft Joe Bidens die Legitimation zu entziehen versuchen – eine Neuauflage seines Bestrebens, die Präsidentschaft Barack Obamas zu sabotieren. Jahrelang hatte Trump fabuliert, Obama sei nicht in den USA geboren und mithin illegitim.

Neues Aktionskomitee geschaffen

Nicht nur wird sich der Verlierer von 2020 eifrig auf Twitter melden, er wird zudem über einen eigenen TV-Kanal verfügen. Hatte Trump seinem Haussender Fox News schon seit längerem einen Mangel an politischer Linientreue angekreidet, so versetzte der Murdoch-Sender den Präsidenten erst recht in Wut, als er bei der Präsidentschaftswahl 2020 den Staat Arizona vorzeitig dem Demokraten Joe Biden zuschlug (mehr zum Thema in: Allianz zwischen Trump und Fox bröckelt). Trump will einerseits Rache an Fox News üben, andererseits über eine Bühne verfügen, auf der er und seine Sprachrohre ein politisches Comeback des Ex-Präsidenten vorbereiten können.

Entscheidend dafür wäre allerdings, dass Trumps Einfluss auf die Republikanische Partei erhalten bleibt. Die auf ihn eingeschworene Basis der Partei soll Absetzbewegungen der Kongressrepublikaner verhindern und Trump 2024 neuerlich auf den Schild heben.

Diesem Ziel ebenfalls dienlich ist ein neu geschaffenes politisches Aktionskomitee namens Save America. Vordergründig sammelt der Präsident damit bei den Getreuen Geld, um seine Wahlniederlage juristisch anzufechten. Tatsächlich aber fliesst der Grossteil der Spenden Save America zu. Mit den Einnahmen kann Trump Wahlkampfschulden begleichen und künftig republikanische Kandidaten für nationale und einzelstaatliche Ämter unterstützen.

Nach Trumps Ausscheiden aus dem Amt dürften wenig schmeichelhafte Einzelheiten über seine Amtsführung publik werden.

Allerdings dürfte ihm das Schicksal seines Ex-Impresarios Steve Bannon eine Lehre sein: Der ehemalige Chefredaktor des rechtskonservativen Webportals «Breitbart» sammelte Gelder, um angeblich Trumps Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, steckte jedoch laut einer Anklage gegen ihn einen Teil der Spenden in die eigene Tasche. Bannon, der im März 2018 bei einem Auftritt in Zürich Hillary Clinton als korrupteste Politikerin aller Zeiten bezeichnet hatte, muss mit einer gesalzenen Gefängnisstrafe rechnen, falls sich die Vorwürfe bewahrheiten.

Der Plan des Präsidenten, die Legitimität der Biden-Präsidentschaft zu untergraben, birgt erhebliche Risiken. Nicht nur könnten Trumps Störmanöver und mediale Dauerpräsenz ermüdend wirken. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt dürften zudem wenig schmeichelhafte Einzelheiten über seine Amtsführung publik werden. Ausserdem drohen dem ehemaligen Präsidenten diverse juristische Probleme, vor allem im Zuge von Ermittlungen des Staats und der Stadt New York.

Obendrein will sich seine Partei in vier Jahren vielleicht nicht einem dann 78-jährigen Kandidaten anvertrauen, dessen Stern am Verblassen ist. Immerhin hat Trumps demokratischer Konkurrent Joe Biden 2020 den grössten Erfolg eines Herausforderers gegen einen amtierenden Präsidenten seit Franklin Roosevelts Sieg über Herbert Hoover 1932 errungen.

120 Kommentare
    brigitte Ould Yali

    Zum Einen ist dieser Entschluss das Eingeständnis seiner Niederlage aus meiner Sicht, zum Anderen bitte ich alle Instanzen, uns das zu ersparen, dass er nie von der Bühne tritt, was für ein jämmerliches destruktives Spiel