Jetzt investieren die Michels im Ausland

Beim letzten Ausbau hatte sich Ypsomed noch für Solothurn entschieden, nun baut das Unternehmen eine neue Fabrik in Deutschland.

Willy Michel und sein Sohn werden in Deutschland eine neue Fabrik bauen.

Willy Michel und sein Sohn werden in Deutschland eine neue Fabrik bauen.

Adrian Sulc@adriansulc

Nestlé stellt hier seit zwei Jahren Kaffeekapseln der Marke Nescafé Dolce Gusto her. Nun erhält die Fabrik des Schweizer Lebensmittelkonzerns in der Norddeutschen Stadt Schwerin einen neuen Nachbarn: Das Burgdorfer Medizinaltechnik-Unternehmen Ypsomed hat sich entschieden, hier ein neues Werk zu bauen.

Für die Herstellung von Insulinspritzen für Diabetiker, sogenannten Pens, will Ypsomed in Schwerin innert sechs Jahren 200 neue Stellen schaffen. «Es handelt sich nicht um eine Verlagerung, sondern um einen Ausbau», sagt Firmensprecher Benjamin Overney. Tatsächlich hat die Nachfrage nach Pens nach einer mehrjährigen Durststrecke bei Ypsomed wieder deutlich angezogen.

So hat das Unternehmen bereits letztes Jahr einen ersten Ausbau der Produktion in Angriff genommen. Mehrheitsaktionär und Verwaltungsratspräsident Willy Michel und sein Sohn und Firmenchef Simon Michel legten damals, im Mai 2015, an einer Medienkonferenz freimütig dar, wie sie von Wirtschaftsförderern aus Tschechien und aus Deutschland umworben worden seien – und dass der Standort Solothurn schlechte Karten habe.

Schliesslich fiel die Wahl aber doch auf Solothurn, weil Ypsomed dort bereits über ein Fabrikareal verfügte und weil die Zeit drängte. 60 neue Stellen werden dort nun geschaffen.

Tiefe Löhne und Fördergelder

Für den zweiten Ausbau der Produktion hatte die Schweiz nun aber keine Chance mehr. In der Endauswahl standen ein Standort in Tschechien und jener in Schwerin. Die Hauptstadt des deutschen Bundeslands Mecklenburg-Vorpommern hat gewonnen, obwohl die Löhne in Tschechien tiefer sind. Willy Michel erwähnte in der Vergangenheit wiederholt die Stundenlöhne von unter 5  Euro für die dortigen Mitarbeiter.

Doch auch in Schwerin, einst DDR-Gebiet, dürften die Löhne weit unter dem Schweizer Niveau liegen. Zudem erwähnte Willy Michel einmal das verlockende Angebot eines Standorts in Norddeutschland, offenbar Schwerin, wo die Wirtschaftsförderung einen Viertel der Investitionskosten übernehme. Das ist eine Subvention, bei welcher Schweizer Standorte kaum mithalten können.

Die Wirtschaftsförderung von Mecklenburg-Vorpommern kommuniziert die Ansiedlung von Ypsomed entsprechend stolz. «Das intensive Werben unseres Landes in der Schweiz hat sich gelohnt», wird der Wirtschaftsminister Harry Glawe zitiert.

Glawe ist letztes Jahr selbst in die Schweiz gereist, um die Michels von seinem Bundesland zu überzeugen. Ypsomed wird in Schwerin nun 50 Millionen Euro investieren und ein 20 000 Quadratmeter grosses Gebäude erstellen – mit Option auf eine nochmals so grosse Fläche. Die Produktion der Insulin-Pens soll Ende 2018 starten. 

Der Bund

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