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Geldblog: Nachhaltige AnlagenInvestieren ohne Gewissensbisse?

Gutes Gewissen und Rendite schliessen sich nicht aus: Diese Firmen und Fonds sind punkto Nachhaltigkeit interessant.

Nachhaltigkeitskriterien als Anlagehilfe: Immer mehr Investoren wollen wissen,  welche Wirkung ihr Geld entfaltet.
Nachhaltigkeitskriterien als Anlagehilfe: Immer mehr Investoren wollen wissen, welche Wirkung ihr Geld entfaltet.
Illustration: Christina Baeriswyl

Ich möchte aus Gründen der Nachhaltigkeit nicht in Nestlé, UBS, Novartis etc. investieren und würde mich freuen, wenn Sie einmal einige Vorschläge für nachhaltige Aktien präsentieren würden. Leserfrage von U.K.

Nachhaltigkeit ist meines Erachtens ein wichtiger Trend, der auch die Finanzindustrie immer stärker beeinflussen wird. Leider ist Nachhaltigkeit längst auch ein Modebegriff geworden. Alle Firmen geben sich gerne nachhaltig, weil es eben trendy ist. Oft allerdings ist die Nachhaltigkeit in der Praxis aber nicht viel mehr als Kosmetik.

Immerhin erkennen immer mehr Börsenfirmen die Zeichen der Zeit und setzen tatsächlich mehr auch auf Nachhaltigkeit. Dabei kommen sogenannte ESG-Kriterien zur Anwendung. ESG steht für Environment, Social und Governance. Ein Unternehmen sollte in den Bereichen Ökologie, Soziales und Unternehmensführung punkten und darauf achten, dass es möglichst keine Fehlleistungen und Schäden duldet. Damit werden ESG-Kriterien auch für Anlegerinnen und Anleger interessant. Je weniger Probleme ein
Unternehmen in den Bereichen Ökologie, Soziales und Unternehmensführung verursacht, desto geringer sind die Risiken – zumindest bezogen auf diese Aspekte. Die eigentlichen Geschäftsrisiken bleiben dennoch bestehen.

Es lässt sich auf jeden Fall feststellen, dass es vielen Investoren – sowohl privaten als auch institutionellen – nicht mehr egal ist, was genau mit ihrem Geld passiert und welche Wirkung ihr Anlagebatzen entfaltet. Auch Aufsichtsbehörden werden Nachhaltigkeitskriterien stärker in die Regulation aufnehmen.

Nachhaltigkeit ist ein Wachstumsmarkt. Nachhaltige Anlagen haben stark an Bedeutung gewonnen – so stark, dass selbst Fondsriesen wie der US-Konzern Blackrock – der grösste Vermögensverwalter der Welt – immer mehr auf Nachhaltigkeit setzen. Unter der Führung der neuen Blackrock Schweiz-Chefin Mirjam Staub-Bisang wird nachhaltiges Anlegen massiv aufgebaut. Sie spricht gar davon, dass nachhaltiges Anlagen zum neuen Standard wird. Dass dies für sie mehr als nur billige Kosmetik ist, belegt die Tatsache, dass sie sich bereits seit Jahren in früheren Funktionen für nachhaltige Anlagen stark gemacht hatte als dies noch nicht Mode war.

Als einer der wenigen Anbieter bietet die Fondsfirma Swisscanto den Kunden ein verständliches Nachhaltigkeitsreporting.

Nun stellt sich die Frage, wie man als Privatanlegerin oder -anleger nachhaltig investieren soll. Beliebt ist bei einigen der Ansatz, dass man bewusst Firmen sucht, die etwa konsequent nur auf erneuerbare Energien setzen, einen wichtigen Beitrag in der ökologischen Abfallbewirtschaftung leisten oder mit ihrem Geschäftsmodell aktiv gegen Food Waste kämpfen. Das ist ein möglicher Weg. In der Praxis handelt es sich bei solchen Firmen meist um Kleinunternehmen, deren Geschäftsrisiken von den Nachhaltigkeitsaspekten abgesehen oft enorm sind. Besser gefällt mir der Ansatz, dass man Nachhaltigkeitsfortschritte bei allen Firmen unterstützt. Damit setzt man als Anleger Anreize, dass die Konzerne im Bereich Nachhaltigkeit Fortschritte machen und erreicht so wohl mehr als wenn man nur auf einige kleine Nachhaltigkeitsperlen setzt.

Einen interessanten Ansatz verfolgt die Schweizer Fondsfirma Swisscanto. Sie hat den Anspruch, mit ihren Investments aktiv zum Klimaschutz beizutragen und setzt als erste Fondsanbieterin in allen traditionellen, aktiven Anlagefonds ein verbindliches CO2-Reduktionsziel von 4 Prozent pro Jahr und weist dies auch transparent aus. Damit macht die Fondsfirma bei den Firmen aktiv Druck. Zudem kommen im Anlageprozess ESG-Kriterien in Ergänzung zur Anlageanalyse als integraler Bestandteil zur Anwendung und es werden diejenigen Unternehmen strikt ausgeschlossen, die internationale Konventionen und Schweizer Gesetze nicht einhalten. Als einer der wenigen Anbieter bietet die Firma den Kunden denn auch ein verständliches Nachhaltigkeitsreporting. Ich halte einen solchen Weg für erfolgreicher, wenn man das Ziel hat, einerseits nachhaltig zu investieren, anderseits bei aller guten Absicht auch Geld verdienen möchte. Dies schliesst sich meines Erachtens auch nicht aus.

Noch nicht beantwortet habe ich Ihnen allerdings Ihre Frage nach Einzelaktien von Schweizer Firmen. Zu den Unternehmen, die ich auch punkto Nachhaltigkeitskriterien für interessant einstufe, gehören etwa der Rückversicherer Swiss Re, der Sanitärtechnikkonzern Geberit, die Bauchemiefirma Sika, der Lifthersteller Schindler, das Zahnmedizinunternehmen Straumann oder die Apothekenkette Galenica. Wenn Sie indes kleine Unternehmen suchen, die noch viel konsequenter als diese Beispiele auf Nachhaltigkeit setzen, würde ich aufgrund von Risikoüberlegungen eher auf Fonds setzen, die die beschriebenen ESG-Kriterien konsequent umsetzen.

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2 Kommentare
    Michael Studer

    Wieso eine Sika oder Schindler, welche vor allem vom Hochhaus-Bauboom profitieren, nachhaltig sein sollen, erschliesst sich mir nicht. Der Bauboom verschlingt unglaubliche Landressourcen, Zement ist einer der grössten CO2-Sünder und die unbewohnten Appartments sind zumeist reine Anlagespekulationen wegen der Billiggeldschwemme. Wenn schon, dann SwissRe, weil die haben aufgrund ihres Versicherungsgeschäft ein reales Interesse Schäden klein zu halten. Aber auch die lagern Risiken vor allem aus und verlagern sich auf den ‘Zwischenhandel’ von Risiken.