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Zu welcher Generation gehören Sie?

Generationen X, Y, Z: Was ist dran an solchen Etiketten? Unser Überblick zeigt es.

In den letzten Jahren war vor allem von den Millennials die Rede. Heute zeichnet sich eine neue Kohorte ab, die Generation Z.

Philippe Zweifel@delabass
Klaudia Meisterhans@tagesanzeiger

Weil die Jungen weniger Colagetränke konsumieren, schaltete Pepsi kürzlich einen Werbespot. Zu sehen war die 20-jährige Trendsetterin Kendall Jenner – 21 Millionen Twitter-Follower, 80 Millionen Instagram-Abonnenten –, wie sie einen Konflikt zwischen Demonstranten und der Polizei verhindert, indem sie einem Beamten eine Pepsi-Dose reicht. Doch der Getränkehersteller erntete für den Clip nur Hohn – und erlitt darauf einen gewaltigen Imageschaden. In den sozialen Medien kursierten Bilder von Polizeigewalt gegen Schwarze. «Schnell, gebt ihnen eine Pepsi», stand darunter.

Man ahnt, was sich die Werber überlegt und erhofft hatten: Die Jungen von heute sind politisch, sozial, tolerant, Video-affin und share-geil. Lasst uns daraus einen Spot basteln, der viralgeht! Es ist ein harmloses Beispiel für einen Generationenkonflikt, aber es wirft ein grelles Licht darauf, wie Altersgruppen kategorisiert werden. Die Marketingleute haben ein Interesse daran, jede kleinste kulturelle Veränderung zu erkennen, um sie zu Geld zu machen. In den letzten 20 Jahren jagte deshalb eine Generationenbenennung die nächste. Generation Ally, Generation Golf, Generation Praktikum, Internetgeneration, Generation X, Generation Y, Generation XXL (übergewichtige Kinder) und so weiter.

Nicht jeder war ein Raver

Die Medien wiederum greifen solche Etiketten dankbar auf, weil diese die Leser auf ähnliche Weise faszinieren wie Horoskope: Es ist eine Spielerei, die einen ins Grübeln bringt, wie viel daran wohl wahr ist und was es über einen selbst aussagt. Sind Babyboomer wirklich höflicher als Millennials? Sind sie sexuell zugeknöpfter als ihre Nachgeborenen, die mit allzeit verfügbarer Onlinepornografie aufwuchsen? Und – so fragt die englische Journalistin Tiffanie Darke in ihrem neuen Buch «Now We Are 40» – was ist eigentlich mit der Generation X passiert, die in den 90ern jung war? Hat die tatsächlich nicht mehr als Easyjet-Flüge nach Ibiza und Technoparaden hervorgebracht? Kurze Antwort: Doch, hat sie. Zum Beispiel das Internet. Aber niemand bemerkte es, weil man zu sehr mit Feiern beschäftigt war.

Manchmal gelingt es solchen flapsigen Generationenetiketten, langfristige Umwälzungen in Kultur, Wirtschaft, Politik oder Technologie vorwegzunehmen. Für den Schweizer Generationenforscher François Höpflinger sind die meisten von ihnen aber problematisch: «Viele Generationenkategorien beziehen sich auf Trends, die sehr kurzlebig sind.» Ausserdem werden Ausprägungen einzelner kultureller oder sozialer Gruppen auf ganze Bevölkerungsschichten übertragen, was Unsinn ist. Nicht jeder Babyboomer war in den 60er-Jahren ein Revolutionär, der Familie und Nation als reaktionär verwarf. Und nicht jeder, der in den 90ern jung war, tanzte nächtelang an Megaraves. Genauso wenig, wie alle Millennials faule Ego-Taktiker sind, die «Girls» gucken und Ritalin schlucken. Trotzdem sind Beschreibungen von Generationen wissenschaftlich relevant. «Es gibt kein menschliches Leben ausserhalb von Generationenbeziehungen», so Höpflinger. «Jede Gesellschaft muss ihre materielle und kulturelle Existenz über die beschränkte Lebenszeit einzelner Menschen hinaus sichern.»

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