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Kommentar zu den WirtschaftsverbändenIn diesem Konflikt gibt es nur Verlierer

Economiesuisse und der Gewerbeverband streiten sich in aller Öffentlichkeit – zum dümmsten Zeitpunkt. Das kann nicht gut gehen.

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband, hat sich kritisch über Grosskonzerne geäussert – und liess Sympathien für die sogenannte Konzernverantwortungsinitiative durchblicken.
Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband, hat sich kritisch über Grosskonzerne geäussert – und liess Sympathien für die sogenannte Konzernverantwortungsinitiative durchblicken.
Foto: Anthony Anex (Keystone)

Von ihm kennen wir es nicht anders: Hans-Ulrich Bigler, der Direktor des Gewerbeverbands, teilt aus. So richtig. Neu ist aber das Ziel seiner Attacke – der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. Oder in Biglers Worten: die Vertreter der Grosskonzerne auf den «Golfplätzen» und in den «klimatisierten Büros», die sich nicht «hinaus zum Volk wagen».

Von ihr hingegen sind wir derart drastische Worte nicht gewohnt: Monika Rühl, Direktorin von Economiesuisse, bezeichnet den «launischen Direktor» Bigler als «Hypothek fürs Gewerbe», dessen «Wunsch nach Medienaufmerksamkeit» der Kooperation schade.

In dieser Situation können es sich die Wirtschaftsverbände schlicht nicht leisten, schimpfend und lärmend Uneinigkeit zu demonstrieren.

Für diesen offenen Schlagabtausch haben sich die Streithähne den unpassendsten Zeitpunkt ausgesucht: Im Herbst stimmt die Schweiz zuerst über die Kündigungs-, dann über die Konzernverantwortungsinitiative ab. Beide Vorlagen hätten weitreichende Folgen für die Wirtschaft. In dieser Situation können es sich deren Spitzenverbände schlicht nicht leisten, schimpfend und lärmend Uneinigkeit zu demonstrieren. Bigler und Rühl streiten zwar wegen Auslegungsfragen zur zweiten Initiative. Doch mit dieser unverhohlenen Feindlichkeit entlädt sich etwas, das sich schon lange angekündigt hat. Seit dem Ja zur Abzockerinitiative vor sieben Jahren haben sich die Kräfte in der politischen Wirtschaft verschoben.

Nach dem damaligen Schock gelang es Economiesuisse nicht, das Image der abgehobenen Teppichetagenvertreterin abzustreifen. In die Rolle des allzeit präsenten Wirtschaftssprachrohrs drängte fortan der Gewerbeverband, und er tat dies laut, polemisch, angriffig. Aber auch diese Strategie verfing nicht, wie sich etwa bei der Ablehnung der Unternehmenssteuerreform III zeigte. Insofern haben beide Kontrahenten recht mit ihrer Kritik: Economiesuisse hat nach wie vor ein Imageproblem, und der Gewerbeverband übertreibt mit seinen provokativen Kampagnen. Auf dieser Lageanalyse liesse sich bei einem internen Seminar aufbauen – aber nicht bei einem öffentlichen Streit. Dieser produziert nur Verlierer.

19 Kommentare
    Bruno Hubacher

    Der Kapitalismus ist im Begriff an seinen Widersprüchen zu Grunde zu gehen. Ein Zeichen der Zeit.