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Covid-Hilfen für KünstlerIm Schnitt werden 1500 Franken im Monat ausbezahlt

Neben dem Erwerbsersatz für Künstler und Veranstalter gibt es auch eine Nothilfe für Künstler, die in der Pandemie kein Einkommen erzielen.

Die Corona-Krise zwingt auch die vorübergehend geschlossenen Institutionen Kunstmuseum Thun und Thun-Panorama zu neuen digitalen Formaten und Angeboten, um das Publikum zu erreichen und für die Kunst zu werben.
Die Corona-Krise zwingt auch die vorübergehend geschlossenen Institutionen Kunstmuseum Thun und Thun-Panorama zu neuen digitalen Formaten und Angeboten, um das Publikum zu erreichen und für die Kunst zu werben.
Foto: BOM

Für Künstler, die wegen der Corona-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, bietet sich Suisseculture Sociale als Ansprechpartner an. Es handelt sich dabei um einen Schwesterverband von Suisseculture, dem Dachverband der Organisationen der professionellen Kulturschaffenden der Schweiz, dem auch die Schweizer Urheberrechtsgesellschaften angehören. Suisseculture Sociale verteilt mit Bundesgeldern eine Nothilfe, die dann ausbezahlt wird, wenn die Antragsteller keine Unterstützung durch die Erwerbsersatzordnung erhalten oder wenn diese Beiträge einfach nicht ausreichen. Bis jetzt hat Suisseculture Sociale 5,4 Millionen Franken ausgegeben, was etwas mehr als der Hälfte dessen entspricht, was ihr vom Bund zugesprochen worden ist.

Zum besseren Verständnis: Die Covid-Hilfen über den Kanal der Erwerbsersatz-Ordnung, die sich auf 80 Prozent des Einkommens belaufen, das man im Vorjahr (neu: in den letzten drei Jahren) erzielte, lassen sich mit der Arbeitslosenversicherung vergleichen. Von ihnen profitieren in erster Linie die professionellen Kulturschaffenden mit relativ guten Einkommen. Die Unterstützungsbeiträge durch Suisseculture Sociale entsprechen dagegen eher der Sozialhilfe. So sind auch die Beiträge durchschnittlich eher gering. Meist gelangen selbstständige Musikerinnen oder Künstler, die über relativ kleine Einkommen verfügen, an die Künstlerkasse.

Sozialhilfe für Künstler

Um eine Vorstellung zu bekommen, wie viel diese Kulturschaffenden verdienen, hat Suisseculture Sociale vor vier Jahren eine Erhebung gemacht. Dabei zeigte sich, dass sich das Medianeinkommen bei Kunstschaffenden in der Höhe von 40’000 Franken im Jahr bewegt, wobei auch eventuelle Brotjobs mit eingerechnet sind. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass Suisseculture Sociale bei ihrer Covid-Unterstützung im Durchschnitt pro Antragsteller nur knapp 1500 Franken im Monat ausbezahlt hat.

Mit diesen Hilfsangeboten des Staates können die Einkommenslücken, die den Künstlern durch Corona entstehen, weitgehend ausgeglichen werden.

Die Auszahlungen begannen im April und waren in den ersten zwei Monaten etwas höher als in den Monaten Juni und Juli, als sich die Lage wieder etwas beruhigte. Wer in den Genuss dieser Unterstützung kommen will, muss aber alles offen legen, was er besitzt oder eben nicht. Bei Künstlern gehört auch ein Atelier zum Existenzminimum, dessen Kosten von Suisseculture Sociale übernommen werden. Grundlage der Auszahlung ist die Selbstdeklaration, die bei Strafandrohungen (wie bei allen Covid-Massnahmen) von bis zu 5 Jahren Gefängnis zutreffend sein muss.

Da sich Suisseculture Sociale früher ausschliesslich mit punktuell anfallenden Unfallkosten oder Zahnarztkosten befasste, die für ältere Künstler mit kleinem Einkommen schnell zum Problem werden können, bedeuten die Corona-Hilfen in Millionenhilfe einen organisatorischen Quantensprung. So wurde der Nothilfefonds für Künstler bis 2019 von einer Person betraut, die zu 20 Prozent angestellt war. Seit März 2020, dem Beginn der Corona-Nothilfe für Künstler, sind permanent 15 bis 20 Personen im Einsatz. In den letzten Monaten wurden über 3800 Einzelgesuche verarbeitet.

Mit der zweiten Welle der Corona-Pandemie gewinnt die Nothilfe für Kulturschaffende Bedeutung, obwohl das Parlament schon zuvor beschlossen hatte, dass sie bis Ende 2021 weiter ausgerichtet werden soll. Mit diesen Hilfsangeboten des Staates können die Einkommenslücken, die den Künstlern durch Corona entstehen, weitgehend ausgeglichen werden, sodass in den nächsten Monaten keine Konkurswelle in der Kulturbranche oder eine massenhafte Abwanderung in die Sozialhilfe befürchtet werden muss.

10 Kommentare
    Klaus Weber-Fink

    Die Künstler/Kulturschaffenden, die in der überwiegenden Mehrheit den Staat dauernd angreifen - die rufen jetzt nach Staatsknete.