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Rahm erstmals Nummer 1Im neuen Golfkönig fliesst Schweizer Blut

Der 25-jährige Spanier Jon Rahm muss private Schicksalsschläge verkraften, wird beim Turnier in Ohio mit zwei Strafschlägen sanktioniert und erfüllt sich trotzdem seinen grossen Traum.

Wild entschlossen: Seit er 13 oder 14 war, arbeitete Jon Rahm darauf hin, die Nummer 1 zu werden. Nun ist er am Ziel.
Wild entschlossen: Seit er 13 oder 14 war, arbeitete Jon Rahm darauf hin, die Nummer 1 zu werden. Nun ist er am Ziel.
Foto: Keystone

Die Szene, von der nachher alle sprechen, ereignet sich in Dublin, Ohio, am Sonntag am drittletzten Loch. Jon Rahm, mit 1,88 m und 100 kg ein Bär von einem Mann und klarer Leader, gelingt ein Zauberschlag, aus dem hohen Gras locht er ein. Und jubelt ausgelassen. Das müsste doch die Entscheidung sein!

Aufmerksamen TV-Zuschauern aber ist nicht entgangen, dass sich der Ball des Spaniers vor dem Schlag leicht bewegt hat, als er den Schläger dahinter im Gras absetzte. Vielleicht nur einen Millimeter, doch das Verdikt ist klar: zwei Strafschläge. Aus dem vermeintlichen Birdie wird ein Bogey, «dabei war das einer der besten Schläge meiner Karriere», sagt Rahm später. Der Ball habe sich aber tatsächlich bewegt, was er selber nicht bemerkt habe, deshalb akzeptiere er das Verdikt.

Obwohl sein Vorsprung in der Schlussrunde von neun bis auf drei Schläge bedrohlich schmilzt, rettet er sich als Sieger über die Ziellinie des PGA-Turniers – und löst damit den Nordiren Rory McIlroy als Nummer 1 der Weltrangliste ab. Der Baske aus Barrika ist erst der zweite Spanier, der diese Position besetzt, nach dem unvergessenen Seve Ballesteros, der 2011 an einem Gehirntumor verstarb.

Mit dem Tod in Kontakt kam in den letzten Tagen auch Rahm, dessen Nachname auf einen Vorfahren schweizerischer Abstammung zurückgeht, der um 1820 nach Spanien auswanderte. «Ich habe in letzter Zeit viel mitgemacht und verlor zwei meiner Familienmitglieder durch die Pandemie», erzählte er in der Stunde seines Triumphs. Seine Grossmutter mütterlicherseits und eine Tante seien zwar nicht am Coronavirus selber, aber an den mentalen Folgen der harten Quarantäne verstorben. «Beide standen mir sehr nahe.»

Schon als Amateur der Beste

Der Anhänger des Fussballclubs Athletic Bilbao galt schon früh als riesiges Talent. 2015 übernahm er die Spitze der Amateur-Weltrangliste, die er 60 Wochen lang besetzte, länger als sonst jemand. Als Student der Arizona-State-Universität gewann er 11 Turniere, und auch auf der Profitour musste «Rahmbo» – so sein Übername – nicht lange auf den Erfolg warten.

Der Sieger von nun elf Profiturnieren, der am US Open letztes Jahr Rang 3 belegte, hatte stets hohe Ziele. «Mit 13, 14 sagte ich mir: Ich will der beste Spieler der Welt werden, und seither habe ich darauf hingearbeitet. Aber dass ich es erreicht habe, und erst noch so jung, ist schon ziemlich surreal.» Den grössten Anteil am Erfolg habe seine Frau, fügte er an; vor allem dank ihr sei er als Mensch gereift. Er und Kelley Cahill waren schon zu Studentenzeiten befreundet. Die beiden heirateten im Dezember 2019 und leben immer noch in Phoenix, Arizona.

Der Faustschlag mit Jack Nicklaus

Erster Gratulant in Dublin war am Sonntag Jack Nicklaus, mit 18 Majortiteln der erfolgreichste Golfer der Geschichte und die Kühlerfigur des Memorial-Turniers. Zum klassischen Handschlag kam es allerdings nicht, ein Faustschlag musste reichen. Der 80-jährige Nicklaus hatte vergangene Woche verraten, dass er und seine Frau im Mai positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Der Krankheitsverlauf sei allerdings vergleichsweise harmlos gewesen, «wir gehörten zu den Glücklichen», so Nicklaus. Wie an diesem Tag auch Jon Rahm, der festhielt: «Die Zeiten sind hart. Es gibt Wichtigeres als mich, und ich hoffe, dass möglichst bald die Normalität zurückkehrt.»

Denkwürdige Begegnung: Jack Nicklaus, kürzlich am Coronavirus erkrankt, gratuliert Jon Rahm zum bisher grössten Erfolg.
Denkwürdige Begegnung: Jack Nicklaus, kürzlich am Coronavirus erkrankt, gratuliert Jon Rahm zum bisher grössten Erfolg.
Foto: Keystone