Zum Hauptinhalt springen

Nachruf auf eine Berner TheaterpionierinIhre Kunst sollte «so verrückt wie möglich» sein

Janet Haufler, die scheue Frau mit den feuerroten Haaren, hat die Berner Performancekunst geprägt. Nun ist sie mit 89 verstorben.

Auffälliges Haar, bescheidene Art: Die Performancekünstlerin Janet Haufler.
Auffälliges Haar, bescheidene Art: Die Performancekünstlerin Janet Haufler.
Foto: zvg

Eigentlich entsprach sie gar nicht dem Bild der extravaganten Kunstschaffenden. Ein Blickfang war ihr feuerrotes Haar, ihr Markenzeichen das leicht meckernde Lachen. Ansonsten aber wirkte Janet Haufler stets klein, scheu und bescheiden. Dabei hat die Performancekünstlerin die Berner Kulturszene geprägt: Sie stand zwar selten allein im Rampenlicht, war aber massgeblich daran beteiligt, als die Performancekunst in Bern Fuss fasste und auch erstmals in den öffentlichen Raum hinausstrahlte.

Geboren 1931, liess sich Janet Haufler, Tochter des Basler Schauspielers Max Haufler und einer Hamburgerin, zur Innenarchitektin ausbilden, bevor sie in den späten Fünfzigerjahren Schauspielunterricht in Genf nahm und im dortigen Théâtre de Carouge engagiert wurde. Ihr Vater hat sie eigentlich immer für zu introvertiert gehalten, um auf der Bühne zu stehen, und Janet Haufler selber bestritt seine Einschätzung auch nicht.

Das «Proben mit Textbuch» jedenfalls, wie Haufler in einem «Bund»-Interview ihre damalige Arbeit in Genf beschrieb, forderte sie zu wenig. Als ihr eine Freundin riet, Sprechunterricht beim deutschen Performancekünstler Norbert Klassen in Bern zu nehmen, kam Janet Haufler schliesslich hierher. Und blieb.

«Ein ziemlicher Drill»

Der 2011 verstorbene Norbert Klassen wurde für Janet Haufler ein Freund und Lehrer und sie selbst zu seiner Muse, zur künstlerischen Lebensgefährtin. Ab 1971 war Haufler Teil von Klassens Künstlerkollektiven «Studio am Montag» und STOP.P.T.; man realisierte Projekte, die laut Haufler «so verrückt wie möglich» sein sollten. Als «enorm» beschrieb Haufler derweil die Anforderungen von Klassen an die Performerinnen und Performer: Man habe bei jeder Probe spielen müssen, wie wenn Vorstellung wäre. «Ein ziemlicher Drill.»

In einem Film sieht man Janet Haufler durch einen New Yorker Park tänzeln und sich auf den Boden legen – es habe schlimm nach Urin gestunken.

Bei Performances hatte Janet Haufler eine Vorliebe für «seltsame, flimmernde Figuren, die nicht einzuordnen sind». In den Achtzigerjahren begann sie zunehmend eigene Ideen zu verwirklichen – darunter Installationen und Performances in New York, Paris oder Berlin. In einem Porträtfilm von Manuela Trapp, der 2018 erschienen ist, sieht man Janet Haufler einmal als 60-Jährige durch einen New Yorker Park tänzeln und sich dabei immer wieder auf den Boden legen. Auch das eine eher verrückte Aktion: Es habe schlimm nach Urin gestunken, sagt sie im Film.

Auch auf der klassischen Theaterbühne stand Janet Haufler immer wieder, sie hatte Gastverträge in Paris, am Schauspielhaus Zürich oder am Stadttheater Bern. Ausserdem wirkte sie in zahlreichen Filmen mit, etwa bei Fredi Murer oder Michel Soutter. 1983 spielte sie die Hauptrolle in «Max Haufler, der Stumme», einem Film von Richard Dindo über ihren Vater, der sich 1965 das Leben genommen hatte. Sein Suizid war für Janet Haufler ein traumatisches Erlebnis.

In den letzten Jahren hat man Janet Haufler in den Theatersälen dieser Stadt immer seltener zu Gesicht bekommen, auch als Besucherin. Sie lebte zurückgezogen in der Altstadt. Nun ist Janet Haufler im Alter von 89 Jahren verstorben.