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Time-Out mit …«Ein Abbruch hätte auch etwas Gutes für mich»

Simone Grippo ist nach Fabio Celestini der Schweizer mit den meisten Einsätzen in Spaniens Profifussball. Der Oviedo-Verteidiger redet über Polizeikontrollen, die Ausgangssperre, seinen Sohn und die Fortsetzung der Saison.

Simone Grippo stand bis zum Winter bei Real Zaragoza unter Vertrag. Dann wechselte der 31-Jährige zu Real Oviedo.
Simone Grippo stand bis zum Winter bei Real Zaragoza unter Vertrag. Dann wechselte der 31-Jährige zu Real Oviedo.
Foto: Getty Images

«In Spanien gibt es mehr als 22’000 Tote und fast 210’000 Infektionsfälle. Das Virus traf das Land sehr hart. In Spanien haben wir daher eine andere Situation als in vielen anderen Ländern. Auch aus diesem Grund sind die Auflagen wohl viel schärfer als in der Schweiz.

Ich sitze zum Beispiel seit sechs Wochen zu Hause. Man darf das Haus nur noch verlassen, um Lebensmittel einzukaufen oder zum Arzt zu gehen. Generell darf nur ein Familienmitglied raus. Das Militär patrouilliert zu Fuss in Dreiergruppen auf der Strasse. Die Polizisten sind im Auto unterwegs, um zu kontrollieren, ob die Vorschriften eingehalten werden.

Ich selbst bin auch schon kontrolliert worden. Erst als die Polizisten meine Einkaufstüten gesehen haben, durfte ich weiterfahren. Einerseits war das beängstigend, andererseits zeigte es die Überforderung der Politiker. Ich meine, es kann doch jeder sagen, dass er einkaufen geht. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Schweizer Politiker die Krise besser meistern. Aber ja, was weiss ich schon?

«Ich selbst bin auch schon kontrolliert worden. Erst als die Polizisten meine Einkaufstüten gesehen haben, durfte ich weiterfahren.»

Oviedo darf ich nicht verlassen

Für niemanden ist es einfach – insbesondere nicht für Familien mit Kindern. Teo, mein dreijähriger Sohn, will zum Beispiel beschäftigt werden. Meine Freundin Melissa und ich versuchen unser Bestes. Zum Glück gehört zu meinem Haus eine grosse Garage, in der ich mit Teo Hockey und Fussball spielen kann. Und ab dieser Woche dürfen Kinder auch erstmals seit sechs Wochen wieder raus – zum Glück.

Von meinem Club, Real Oviedo, habe ich die Weisung bekommen, die Stadt nicht zu verlassen. Ich verstehe das, das Virus ist schliesslich überall. Das ist schon beängstigend. Das Ding ist, dass ich mich in Oviedo noch nicht wirklich gut auskenne, spiele ich doch erst seit dem Winter hier. Eigentlich wollten Melissa, Teo und ich im Frühling die Stadt erkunden. Doch das geht nicht. Seitdem ich hier lebe, bin ich mehr daheim als in der Stadt, auf dem Trainingsplatz oder im Stadion.

Mit dem Club stehe ich aber natürlich stets im Kontakt. Der Trainer schickt uns Trainingspläne, wir haben mehrmals in der Woche Training per Videokonferenz. Zudem habe ich mir in der Wohnung ein halbes Gym eingerichtet und in der Garage absolviere ich mein Lauftraining. Ich bin ein Fussballer im Homeoffice.

Fussballer sind nicht besser

Ob die Meisterschaft in der zweiten spanischen Liga fortgesetzt wird? Keine Ahnung. Die Liga will es und auch die meisten Vereine wohl. Doch zu entscheiden haben die ja nichts. Das Gesundheitsministerium entscheidet es. Ich bin jedenfalls nicht dafür, die Meisterschaft abzubrechen. Fussballer ist ein Beruf wie jeder andere, wir sind nicht besser. Und wieso sollten Ärzte, Krankenschwestern oder Verkäufer während der Corona-Krise arbeiten müssen, wir aber nicht?

Aus Respekt vor den vielen Toten würde ich aber natürlich auch einen Abbruch verstehen. Und wenn ich ehrlich bin, hätte ein Abbruch auch etwas Gutes für mich. Das hiesse nämlich, dass Oviedo nicht absteigen würde.»

* Simone Grippo (31) spielt in der zweiten spanischen Liga bei Real Oviedo. Als Junior spielte er beim FC Basel, später stand er etwa noch beim FC Vaduz unter Vertrag.