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Paul Rusesabagina vor Gericht«Hotel Ruanda»-Held wegen Terrorismus in Ruanda angeklagt

Der Hotelmanager Paul Rusesabagina soll über 1200 Menschen während des Genozids in Ruanda gerettet haben, seine Geschichte wurde von Hollywood verfilmt. Diese Erzählung wird allerdings von der Regierung und einigen Überlebenden bestritten.

Im November 2005 erhält Paul Rusesabagina von US-Präsident Bush im Weissen Haus die Presidential Medal of Freedom.
Im November 2005 erhält Paul Rusesabagina von US-Präsident Bush im Weissen Haus die Presidential Medal of Freedom.
Foto: Lawrence Jackson (Archiv Keystone)

Der durch den Film «Hotel Ruanda» bekannt gewordene Paul Rusesabagina ist in Ruanda wegen Terrorismus angeklagt worden. Ihm werde zudem Mordbeteiligung sowie Gründung einer bewaffneten Gruppe vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft in einem Gericht in der Hauptstadt Kigali am Montag mit.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte die ruandischen Behörden auf, Rusesabaginas Recht auf ein faires Verfahren zu garantieren.

Rusesabagina war im August festgenommen worden. Er ist weltweit durch den Hollywood-Film «Hotel Ruanda» bekannt worden. Darin wird geschildert, wie der damalige Hotelmanager während des Genozids mehr als 1200 Menschen rettete. Diese Erzählung wird allerdings von der Regierung und einigen Überlebenden bestritten.

«Hotel Ruanda»-Held Paul Rusesabagina vor Gericht in Kigali, Ruanda am Montag, 14. September 2020.
«Hotel Ruanda»-Held Paul Rusesabagina vor Gericht in Kigali, Ruanda am Montag, 14. September 2020.
Foto: Keystone/AP 

Rusesabagina ist scharfer Kritiker von Ruandas Präsident Paul Kagame. Er soll ein Anführer der MRCD sein, einer Gruppe politischer Parteien, die der ruandischen Regierung gegenüber kritisch eingestellt ist und sich im Exil befindet. Die MRCD hat einen bewaffneten Arm, die FLN, die mit Angriffen in Ruanda in Verbindung gebracht wurde.

Die Tochter von Rusesabagina, Carine Kanimba, kritisierte die Anklage als «Schein-Justiz». Die Anwälte ihres Vaters seien vom Staat bestellt worden und hätten die Familie nicht über den Gerichtstermin am Montag informiert.

Im Völkermord 1994 wurden mehr als 800’000 Tutsi und gemässigte Hutu getötet. Kagame wird dafür gelobt, nach dem Genozid für Versöhnung, Stabilität und wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt zu haben. Allerdings hat er die Meinungs- und Pressefreiheit sowie Oppositionsarbeit scharf eingeschränkt. Viele Kritiker Kagames und Oppositionelle befinden sich heute im Ausland.

Die damalige Aussenministerin Condoleezza Rice (links), UN-Botschafterin und Schauspielerin Angelina Jolie grüssen Paul Rusesabagina an einem Anlass in Washington im Juni 2005.
Die damalige Aussenministerin Condoleezza Rice (links), UN-Botschafterin und Schauspielerin Angelina Jolie grüssen Paul Rusesabagina an einem Anlass in Washington im Juni 2005.
Foto: J. Scott Applewhite (Keystone) 

SDA/sep